ZUSAMMENFASSUNG XF citizen lab VOLUME 1

Für alle, die das erste XF citizen lab verpasst haben, haben wir hier kurz und knapp den Input zusammengefasst, den wir den Teilnehmer*innen als Grundlage zu Beginn des XF citizen lab gegeben haben.

DIE ZUKUNFT DER PARTIZIPATION: QUO VADIS?

Was ist Bürgerbeteiligung überhaupt? Warum ist Partizipation so wichtig? Und warum sollten wir uns gerade jetzt Gedanken zu neuen Formen der Partizipation machen? Welche technischen und sozialen Entwicklungen stehen uns bevor und warum müssen auch Partizipationsformate darauf angepasst werden?

Um Antworten auf diese Fragen zu diskutieren, starteten wir Anfang März das XF citizen lab .

Die Grundidee: Partizipation der Zukunft muss mit denen entwickelt werden, denen sie dienen soll. Also, gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern. Denn was helfen die elaboriertesten und modernsten Methoden und Formate der Beteiligung, wenn sie nicht wahrgenommen werden wollen oder können?

 

PARTIZIPATION - DAS FUNDAMENT UNSERER DEMOKRATIE

Aber warum ist es überhaupt so wichtig, sich gerade jetzt Gedanken um die Zukunft der Beteiligung zu machen? Warum braucht es neue Ideen für erfolgreiche Partizipation?

Zur Beantwortung dieser Fragen, ist es zunächst wichtig, sich darauf zu verständigen, dass unser demokratisches System auf den Prinzipien der freien Meinungsbildung und Willensäußerung des Volkes beruht: Durch Wahlen, Demonstrationen, Petitionen und Bürgerentscheide können und sollen Bürgerinnen und Bürger ihren Repräsentanten mitteilen, welche Politik sie wollen und welche nicht. Funktioniert diese freie Willensäußerung nicht mehr, ist unsere Demokratie ihrer wichtigsten Legitimationsgrundlage beraubt.

 

KRISE TRADITIONELLER BETEILIGUNG

Jedoch: In den letzten Jahren steigt die Unzufriedenheit mit unserer Demokratie mit der Folge, dass Beteiligungskanäle immer weniger genutzt werden. Die Gründe sind vielfältig:

  • Politik wird globaler: Multilaterale Handelsbeziehungen, gemeinsame Wirtschaftsräume und internationale Zusammenarbeit bei Themen wie Klimaschutz und Sicherheit sorgen dafür, dass der Handlungsspielraum lokaler und nationaler Regierungen immer begrenzter wird. Entscheidungen der nationalen Politiker im Alleingang werden zur Seltenheit. Das sorgt für Unsicherheit bei den eigenen Wähler*innen, die sich natürlich fragen, warum Wahlversprechen nicht einfach so umgesetzt werden können.
  • Politik wird komplexer: Nicht nur Nationen wachsen zunehmend zusammen, sondern auch Problemfelder. Je mehr Akteure bei einem Thema mitreden, desto schwieriger wird es eine einfache Lösung auf das Problem zu finden. Die Folge: Entscheidungsprozesse sind kaum mehr nachzuvollziehen – insbesondere für Menschen, deren täglich Brot nicht die Politik ist.
  • Soziale Ungleichheit wird größer: Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich vergessen angesichts der immer weiter wachsenden sozialen Ungleichheit innerhalb moderner Demokratien – und stellen sich die Frage, warum man denn noch Volksvertreter*innen wählen sollte, wenn diese solch wichtige und grundsätzliche Problem nicht lösen können.

Die Folge dieser Entwicklungen: Der Grundkonsens vom Mehrwert der Demokratie bröckelt und die Bürger ziehen sich aus der Demokratie zurück. Die Wahlbeteiligung sinkt, Kandidaten für Gemeinderäte und Bürgermeister fehlen, Parteien sorgen sich um sinkende Mitgliederzahlen und auch die Beteiligung an lokalen Bürgerdialogen wird weniger. Dadurch gerät unsere Demokratie in Bedrängnis, denn wenn politische Entscheidungen oder Wahlen nicht mehr durch die Bürgerschaft getragen werden, fehlt ihnen wichtige demokratische Legitimation.

 

"GUTE" PARTIZIPATION ALS RETTUNG UNSERER DEMOKRATIE

Diesen Entwicklungen stehen wir jedoch nicht machtlos gegenüber, davon sind wir von polit@ktiv überzeugt! Ganz im Gegenteil: Durch „gute“ Partizipationsformate kann unsere Demokratie nachhaltig gestärkt werden, denn durch gute Bürgerbeteiligung wird:

  • Demokratie erfahrbar: Durch transparente Partizipationsprozesse machen Bürger die Erfahrung, dass die eigene Meinung in den politischen Prozess einfließt und ernstgenommen wird. Das steigert nicht nur das Vertrauen in Verwaltung und politische Entscheidungsträger, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung, denn politische Entscheidungsprozesse werden erfahrbar und damit nachvollziehbar.
  • die Qualität von politischen Entscheidungen gesteigert: Politik wird für Bürgerinnen und Bürger gemacht und politische Entscheidungen können einen erheblichen Einfluss auf individuelle Lebenswelten haben. Lebenswelten, deren Experten die Bürger selbst sind. Gute Partizipation kann daher durch frühzeitige Befragung der Bürger Fehlentscheidungen verhindern oder minimieren.
  • die Identifikation mit der eigenen Kommune gesteigert: Durch das Gefühl, die eigene Kommune mitgestalten zu können, wird auch die Identifikation gestärkt: Die Bereitschaft, sich auch auf anderen Wegen in der Gemeinschaft einzubringen, beispielsweise durch Ehrenamt oder eigenes politisches Engagement, steigt.

 

DAS BEDEUTET: Nicht obwohl, sondern gerade weil unsere Demokratien im Moment viel Gegenwind erfahren, sollten Bürger bei politischen Entscheidungen beteiligt werden. Jedoch werden „traditionelle Formen“ der Beteiligung immer weniger genutzt. Außerdem, dessen sind wir uns bewusst, muss Partizipation zeitgemäß sein: Digitalisierung, Globalisierung, Klimawandel und der demographische Wandel beeinflussen und verändern die Lebenswelten von Bürgerinnen und Bürgern. Partizipationsformate müssen daran angepasst werden – und deshalb brauchen wir neue, zukunftsfähige Ideen, wie die Partizipation der Zukunft aussehen kann!

 

Anmerkung: Wir sind bemüht, so weit wie möglich geschlechterneutrale Formulierungen zu verwenden. Wo uns dies nicht gelingt, haben wir zur besseren und schnelleren Lesbarkeit des Textes die männliche Form verwendet. Natürlich gilt in allen Fällen jeweils die weibliche und männliche Form. Wir bitten hierfür um Ihr Verständnis.

News

VOLUME 1 - RÜCKBLICK

In unserer ersten Veranstaltung am 5. März klärten wir gemeinsam, was Partizipation überhaupt für uns bedeutet, welche Ziele damit verfolgt werden sollten und durch welche Kriterien sich gute Partizipationsprozesse auszeichnen. Auf Basis dieser grundlegenden Überlegungen, entwickelten und diskutierten wir dann gemeinsam erste Ideen zu konkreten Methoden der Partizipation der Zukunft.

Sie haben unsere Auftaktveranstaltung verpasst? Hier haben wir die erste Ausgabe unseres XF citizen lab für Sie zusammengefasst. Schauen Sie doch mal rein!


Home-Office statt Workshops

Leider schränkt die momentane Corona-Krise auch unsere Vorhaben in Sachen Bürgerbeteiligung vorerst ein: Veranstaltungen wie Workshops oder Bürgerversammlungen sind momentan nicht möglich. Wir sind aber derweil natürlich nicht untätig und überlegen uns im Homeoffice neue Möglichkeiten und Wege, wie wir auch ohne Präsenzveranstaltungen das XF citizen lab weiterführen können. Bleiben Sie gespannt!

 

Bei Fragen oder Anregungen, sind wir natürlich auch weiterhin für Sie per Mail erreichbar!


Erstes XF citizen lab am 5. März im Club Voltaire

Sie sind neugierig geworden? Und Sie haben Lust gemeinsam mit uns neue Ideen zu erarbeiten?

Dann kommen Sie doch zur Auftaktveranstaltung des XF citizen lab am 5. März im Club Voltaire, Haaggasse 26b, 72070 Tübingen.