Vier Gruppen - vier Konzepte

Am 26. April 2014 erarbeiteten vier Gruppen von Bürgern in der Michael-Sommer-Mittelschule in Schrobenhausen vier unabhängige Konzepte für die Innenstadt, die dennoch in den Grundzügen sehr ähnlich ausfielen. Die Zusammensetzung der Gruppen war durch ein Losverfahren bestimmt worden. Alle Teilnehmer verpflichteten sich zu Anfang schriftlich auf eine faire Debattenkultur. Stadträte und andere Funktionsträger der Stadt waren nur als Zuhörer zugelassen. Sie konnten aber von Gruppe zu Gruppe wechseln und sich so ein Gesamtbild der Diskussion verschaffen.

PolitAktiv hat die Ergebnisse der vier Gruppen unten in in Wort und Bild dokumentiert.

Den ausführlichen Bericht des Moderatorenbüros Identität&Image finden Sie hier. Das Dokument im pdf-Format enthält neben Foto-Impressionen die Listen mit den Namen der Diskussionsteilnehmer, die formulierten Ziele, die entstandenen Skizzen sowie im Anhang die Folien der Referate und die Inhalte der Informationsplakate vom Infomarkt des Kreativtags sowie einen Ausblick auf Architektenwerkstatt und Bürgerforum.

Gruppe Blau - in zwei Teams zu neuen Lösungen

Moderator: Wolfgang Grubwinkler
Planerin: Anna Ulrichs
12 Bürger

In der Gruppe Blau kristallisierten sich schnell einige Themen heraus, die besonders schnell behandelt und umgesetzt werden sollen. Darunter vor allem:
•    Familienfreundlichkeit
•    Eine Lösung des Einzelhandelproblems
•    Erfolgreiches Flächenmanagement
•    Lösung für die Wildparkerei
•    Entwicklung und Verwaltung von Verweilflächen
•    Barrierefreie Durchgänge und Gehwege (Fußgängerfreundlichkeit)

Als erstes Motto entwickelte die Gruppe den Vorsatz: Innenstadtentwicklung vor Außenstadtentwicklung! So wurde zunächst die bisher schlechte Situation des Einzelhandels festgestellt. Es gibt in der Innenstadt keinen echten Lebensmittelladen außerhalb des Wochenmarktes. Um dieses Problem zu lösen, wurden verschiedene potenzielle Ladenflächen in Betracht gezogen, mit denen neue Händler geworben werden könnten. Darunter unter anderem der Öfele-Bräu, das NKD-Gebäude oder auch der Supermarkt bei der Schrobenhausener Bank.
Die ernüchternde Bilanz dieser Analyse war jedoch, dass vor einem Werben von Neukunden für die Flächen diese zunächst renoviert und mit Parkplätzen versehen werden müssten. In ähnlicher Weise wurde dann ein Punkt nach dem anderen diskutiert, bis man so seine wichtigsten Prioritäten setzen konnte. Beispielhaft hierfür war eine bevorzugte Stellung der Fußgänger. Daraus ergaben sich zwei Aufgabenstellungen, die jeweils in zwei Teams bearbeitet werden sollten.

Team 1: Verwaltung der Verweilflächen (Fokus: der Lenbachplatz mit dem Rathaus)
Team 2: Flächenaufteilung vor Geschäften (Fokus:  Sicherheit und Barrierefreiheit der Fußgänger)

Ergebnisse der Teams waren zwei Skizzen, die nachher zu einer zusammengeführt wurden.  Als Hauptpunkte wurden beschlossen:
•    Lenbachplatz soll autofrei sein und vielseitig genutzt werden (Erholung, Außengastronomie)
•    Rathaus soll bestehen bleiben
•    Beidseitiger Verkehr auf der Lenbachstraße
•    Parkplätze nicht mehr in der Mitte der Fahrbahn, sondern außen

Besondere Idee: ein neuer Bus-Umstieg in der Innenstadt.

(Protokoll: Jakub Sowula)

Gruppe Grün - den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt locken

Moderatorin: Stephanie Grubwinkler
Planer: Philip Schmal
10 Bürger

In der Gruppe Grün wurde eine zentrale Lösung der Probleme Schrobenhausens angestrebt. Als Probleme wurden festgemacht:
•    Verkehr
•    Parksituation (Engstellen)
•    Fußgänger bisher benachteiligt
•    Lenbachplatz inklusive Rathaus
•    Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Stadt (Gehwege, Plätze usw.)

Diese Probleme wurden an verschiedenen Orten in Schrobenhausen festgemacht. Als Problemorte wurden ermittelt:
•    Lenbachstraße
•    Bürgermeister-Stocker-Ring
•    Lenbachplatz
•    Parkplatz Bartengasse
•    Nebengassen

Anschließend wurden den Problemen Prioritäten zugeordnet. So wurde die Situation rund um den Lenbachplatz als am wichtigsten empfunden. Umso erstaunlicher, dass hierfür relativ schnell ein Konsens gefunden wurde. Die Lösung der Gruppe war, ähnlich wie in den Gruppen  Blau und Rot, ein autofreier Lenbachplatz. Nach und nach wurde ein Ort nach dem anderen so abgearbeitet, und die daraus entstehenden  Ideen und Vorschläge wurden mit Hilfe der Bürger und Philip Schmal in die Stadtskizze eingezeichnet. Stephanie Grubwinkler hielt die Ergebnisse in Wortform fest.

Die Hauptergebnisse:
•    Lenbachstraße: Barrierefreiheit, gute Fußwege, mehr Platz für Außengastronomie, mehr Grün, Vorrecht für Fußgänger
•    Lenbachplatz: Platz zum Aufhalten, Sperrung für Autos, Attraktivität des Platzes steigern durch mehr Grün, Platz für Wochenmärkte freihalten
•    Parkplatz Bartengasse: Mechanisches Parkhaus (Paternoster) bis zu 70 Parkplätze für Anwohner und Kunden

Besondere Idee: Der Bürgermeister-Stocker-Ring soll den Durchgangsverkehr aufnehmen. Das soll attraktiv gemacht werden durch entsprechende Ampelschaltungen oder neuen Asphalt. Dadurch wird die Innenstadt entlastet.

(Protokoll: Jakub Sowula)

Gruppe Orange - ein neuer Lenbachplatz aus Liebe zur Stadt

Moderatorin: Stephanie Utz
Planerin: Raluca Davidel
12 Bürger

Die Gruppe Orange setzte sich gemeinsame Ziele, die vor allem die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöhen sollen. Stichworte waren unter anderem:

•    ein attraktives Stadtbild
•    Emotionalität, Schönheit, Liebe zur Stadt
•    Fußgängerfreundlichkeit
•    Fahrradfreundlichkeit
•    besseres Parken
•    bequemer Straßenbelag
•    Plätze zum Verweilen

Diese Qualitäten wurden am Nachmittag vor allem im Hinblick auf den Lenbachplatz konkretisiert. Stephanie Utz wies darauf hin, dass seine Lage abseits der Hauptverkehrsachse typisch für einen mittelalterlichen Platz sei. Solche historischen Stadtgrundrisse, so ihre Warnung, sollte man nicht allzu stark verändern. Insofern war auch die Idee, das Rathaus zu verlegen, schnell vom Tisch.

Die Gruppe Orange entschied sich für einen autofreien Lenbachplatz (Ausnahme: Feuerwehrzugänge). Während im Sommer die Außengastronomie den Platz bestimmen soll, wurden für den Winter verschiedene Nutzungsmöglichkeiten diskutiert: Veranstaltungen, Märkte, Kunstausstellungen, ein Mini-Tollwood-Festival, eine Eislaufbahn. Der Markt am Samstag soll aufgewertet werden. Grünzonen sollen den Platz gliedern.
Gegen Ende des Nachmittags diskutierte die Gruppe auch über die Lenbachstraße Hauptforderungen hier: Eine klare Trennung von Fahrbahnen und Gehwegen, Niveau-Anpassungen der Gehwege, sichere Übergänge für Fußgänger.

Besondere Idee: Ein neuer Stadtbrunnen auf dem Lenbachplatz. Er soll einerseits Motive aus der Stadtgeschichte aufgreifen und von Künstlern gestaltet sein, andererseits gefahrlose Spielmöglichkeiten für Kinder schaffen.

Weiterführende Idee: Mehr öffentliche Aufgaben in die Innenstadt verlegen, um sie zu beleben. Zum Beispiel: Stadtbücherei in ehemaligen Supermarkt („Stadtmarkt in der Post") verlegen. Anderes Beispiel: NKD-Gebäude öffentlich nutzen, umgestalten („attraktiver Ortseingang"), im Erdgeschoss zum Beispiel eine Touristen-Information eröffnen.

(Protokoll: Judith Rauch)

Gruppe Rot: die Fahrbahnen bündeln - trotz Bedenken

Moderator: Andreas Weitzenberger
Planer: Mario Flammann
11 Bürger

Die Gruppe Rot konzentrierte sich auf die Lenbachstraße und den Lenbachplatz. Dabei setzte sie sich drei Ziele:
•    Autos den Menschen unterordnen
•    Barrierefreie und bequeme Pflasterung
•    Abgetrennte Bereiche für alle Verkehrsteilnehmer

Ausgehend vom Innenstadtkonzept „Die Neue Zeil" (Seniorenbeirat Schrobenhausen, unterstützt von Max Bratfisch) entdeckte die Gruppe die Vorteile einer Bündelung der Fahrbahnen in der Mitte der Lenbachstraße. Sie erlaubt eine Nutzung der Randbereiche für großzügige Gehwege (mindestens 2,50 Meter breit), für Außengastronomie, aber auch für Parkplätze. Entlang der Straße variieren die Nutzungstypen, entsprechend ergibt sich ein geschlängelter Verlauf der Fahrbahnen.

Umstritten blieb, ob einem Einbahnverkehr oder einem gegenläufigen Verkehr auf der Lenbachstraße der Vorzug zu geben sei. Planer und Verkehrsexperte wiesen darauf hin, dass die Fahrbahn bei Einbahnverkehr nicht wesentlich schmaler gebaut werden kann als bei Gegenverkehr: Man muss nämlich das Ausscheren der Fahrzeuge beim Ein- und Ausparken berücksichtigen. Bei Einbahnverkehr wird auch schneller gefahren, und die Wege werden länger.

Als Haupteinwände gegen die Fahrbahnbündelung wurden genannt: Schlechte Erfahrungen mit diesem Modell im Winter 2010/2011. Bürger klagten über Probleme beim Ein- und Ausparken und über vermehrten Lärm.

Bei der Frage, welcher zentrale Platz in der Innenstadt aufgewertet werden soll, wurde die Alternative diskutiert: Soll das „Wohnzimmer" der Stadt eher die Zeil oder der Lenbachplatz sein? Architektonische Gründe sprachen für den Lenbachplatz. Die Gruppe Rot will ihn nicht gänzlich autofrei gestalten, aber die Zahl der Parkplätze reduzieren, so dass in der Mitte ein großer öffentlicher Platz entsteht. Das Rathaus soll stehen bleiben.

Besondere Idee: Aus dem provisorischen Parkplatz Bartengasse soll zunächst ein „offizieller" Parkplatz werden, mittelfristig eine Quartier-Garage mit Anwohnerstellplätzen. Dies könnte auch, der effizienteren Nutzung wegen, ein automatisches Parkhaus sein.

(Protokoll: Judith Rauch)