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 Präsentation von Michael Mörike

 Präsentation Wolf-Dieter Hasenclever

 Statements der Teilnehmer

Workshop: Bildung für die E-Society

Was heißt eigentlich Bildung? Und was E-Society? Muss sich der Bildungskanon verändern, um sich zukünftig gut zurechtzufinden? 

Diese und weitere Fragen rund um das Thema "Bildung für die E-Society" standen im Mittelpunkt eines Workshops am 22. Juli 2016 im Casino am Neckar, Tübingen. Die Integrata Stiftung als Veranstalter hatte alle Teilnehmer des Wettbewerbs um den diesjährigen Wolfgang-Heilmann-Preis eingeladen, gemeinsam grundsätzliche Fragen und Herausforderungen des Wettbewerbsthemas zu diskutieren und sich nebenher auch ein Stück weit kennen zu lernen. 

An dieser Stelle sollen die Kernpunkte dokumentiert werden, als Erinnerungsstütze für diejenigen, die dabei waren, aber auch als Anregung und Überblick für all jene, die an diesem Tag nicht mitdiskutieren konnten. 

1. Zukunft durch Bildung aktiv mitgestalten (Michael Mörike)

Stiftungsvorstand Michael Mörike begrüßte alle Anwesenden, darunter auch den Stifter Wolfgang Heilmann, stellte kurz das Stiftungsziel und die Ausschreibung des diesjährigen Preises vor und gab dann die Ziele für den Tag aus, nämlich:

  • Gemeinsame Klärung und Diskussion des Themas
  • Persönliche Kontaktaufnahme und Möglichkeit der Gruppenbildung
  • Nicht: Spezifisches Bewerbungsthema herausfinden!

Die anschließende Vorstellungsrunde verdeutlichte noch einmal, wie bunt das Teilnehmerfeld in diesem Jahr ist. Es reicht von Bildungsforschern, Psychologen und Lehrern über Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler bis hin zu Marketingexperten. Aufgrund der jeweils sehr unterschiedlichen Betrachtungs- und Herangehensweise an das Thema waren somit die Grundlagen für spannende Diskussionen bereits im Vorfeld gelegt.

 Vortrag von Michael Mörike

2. Veränderungsphlegma vs. Transformationsgesellschaft (Wolf-Dieter Hasenclever)

In seinem Impulsvortrag zum Thema "Die Notwendigkeit der 'Großen Transformation' und die 'Klassische Bildung'" sprach Bildungsforscher Wolf-Dieter Hasenclever über die Herausforderungen einer sich verändernden Gesellschaft. "Wir leben in einer Transformationsgesellschaft und wissen nicht unbedingt, wohin die Reise geht." Erschwerend komme hinzu, so Hasenclever, dass der Mensch sich genetisch bedingt ungern verändere. Dabei seien die großen Zukunftsprobleme und -herausforderungen allgemein bekannt:

  • Umweltverträglichkeit (Energie, Rohstoffe) herstellen
  • Soziales Ungleichgewicht eindämmen (Hunger und medizinische Unterversorgung bekämpfen, usw.)
  • die Informationsgesellschaft strukturieren
  • eine dauerhafte Friedensordnung sichern
  • adäquate Bildung ermöglichen

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Die gegenwärtige Umwandlung der Gesellschaft bedeutet aus Sicht des erfahrenen Pädagogen und Bildungsforschers aber nicht nur ein Risiko, sondern eröffnet auch zahlreiche Chancen für Innovationen. So werden die in der Vergangenheit erfolgreichen Management-Methoden in Zukunft nicht mehr ausreichen, da sich die Anforderungen immer schneller ändern und deren Komplexität zunimmt. Auch die Abnehmer bzw. Kunden änderten innerhalb kurzer Zeit ihre Vorlieben und Perspektiven. Das Internet biete dabei die Möglichkeit sehr weitgehender Transparenz bei politischen und auch wirtschaftlichen Entscheidungen. Gleichzeitig gebe es aber auch Raum für eine schnelle Verbreitung von Verschwörungstheorien, Hasstiraden und radikalen Ansätzen.

Hasenclever stellte heraus, dass sich die Kommunikation seit Beginn der 2000er Jahre dramatisch geändert habe. Ein Beleg dafür sei der sprunghafte Anstieg der Internetnutzer von 600 Millionen im Jahre 2002 auf knapp drei Milliarden 2014. Gleichheitig sei eine Explosion der verfügbaren Informationen zu beobachten. Bei diesem Punkt kam unter den Teilnehmern die Frage auf, ob Wissen eigentlich mit Information gleichgesetzt werden könne, so wie es die gezeigte Graphik der Fraunhofer Stiftung suggerierte. Mitunter habe, so ein Teilnehmer, nur die digitale Datenmenge zugenommen. Eine andere Teilnehmerin gab zu bedenken, dass Informationen heute überall verfügbar seien, nichtsdestotrotz erfordere die Suche und der Umgang mit diesen spezifische Kompetenzen.

Wolf-Dieter Hasenclever stellte im Anschluss die Frage, welche Eigenschaften überhaupt erforderlich seien, um erfolgreich an der Transformation teilzuhaben. Seiner Ansicht nach zählen dazu u.a. die Fähigkeiten, mit Informationen umzugehen, eigene Ideen zu entwickeln und diese auch zu vertreten, Kommunikation zu beherrschen, Verantwortung im Handeln zu erkennen und die Bereitschaft zum Gründen. All dies erfordere allerdings auch ein gewisses Wertegerüst.

Kann uns die "Klassische Bildung" dabei weiterhelfen? Die Gedanken Kants und von Humboldts lassen sich, so Hasenclever, bis heute aus quasi allen Bildungspläne herauslesen, auch wenn diese in einzelnen Punkten und Formulierungen variieren. Ein Grundstein für die "digitale" Bildung könne das Dagstuhl-Dreieck darstellen, welches technologische, soziokulturelle und anwendungsbezogene Perspektiven als notwendige Dimensionen unterscheidet.

 Vortrag Wolf-Dieter Hasenclever

3. Statements und Gedanken

Die Teilnehmer des Wolfgang-Heilmann-Preises waren im Vorfeld des Workshops aufgefordert worden, sich Gedanken über das Thema "Bildung für die E-Society" zu machen und diese in (auch provokanten) Kurzstatements festzuhalten. 

Die Statements wurden mittels Präferenzabfrage sortiert und diskutiert. Dabei ergaben sich weitere Fragen und Gedanken, u.a.:

  • Was ist Bildung? Gibt es ein grundsätzliches Verständnis über allgemeine Bildungsinhalte? Wie entgeht man der Gefahr um, auf Hypes aufzuspringen?
  • Das Tempo der Veränderungen in der Gesellschaft ist erheblich größer als jenes im Bildungssystem.
  • Die Perspektive im Bildungssystem ist oft die Falsche, da das Methodenwissen zu wenig betrachtet wird. 
  • Es geht nicht um Wissen, sondern um das Erkennen der Logik dahinter. Aber: Wieviel (Fakten-)Wissen braucht es überhaupt?
  • Stichwort Emergenz: Ein neues Bildungskonzept sollte der Emergenz gerecht werden.
  • Wer definiert eigentlich, was gelehrt wird? Wie groß ist die Macht der Wirtschaft (siehe Umstieg auf BA/MA, Google-Schools)

 Kurzstatements

4. Bildung im 21. Jahrhundert: Welche Kompetenzen braucht es?

In einem vierten Schritt diskutierten die Teilnehmer des Workshops zunächst in Kleingruppen und anschließend im Plenum, welche Kompetenzen heute und in Zukunft vermittelt werden sollten. Dabei wurde schnell deutlich, dass auch die Frage, was eine Kompetenz als solche ausmacht, durchaus unterschiedliche Definitionen besitzt. Große Einigkeit herrschte dahingehend, dass zwar eine Vielzahl von Informationen verfügbar ist, man sich Wissen aber weiterhin aktiv aneignen müsse. Obwohl der Grundstein zur Bildung in der frühen Kindheit und Jugend gelegt wird, ist lebenslanges Lernen zunehmend wichtiger. 

Hier sind weitere Kernpunkte der Diskussion in Stichworten:

  • Kompetenzen im Umgang mit Informationen:  Filtern, Sortieren und Relevanz zu erkennen,  Quellen hinterfragen und ein Verständnis dafür entwickeln, woher Daten kommen und wie sie aufbereitet werden.
  • Soziale Kompetenzen: soziale Bildung, Empathie, ethische Verantwortung im Handeln kennen und anwenden; Kommunikationsfähigkeit
  • Stichpunkt Wissen: Methoden- und Strukturwissen, logisches Denken; Basiswissen/Allgemeinwissen/Systemwissen; Ankerwissen (spezielles Expertenwissen), wirtschaftliche Bildung, IT-Kenntnisse
  • Persönliche Kompetenzen: Mündigkeit, Kritik- und Analysefähigkeit sowie Urteilsvermögen und selbständiges Denken; Identität und Authentizität
  • "Zweifel lernen"

5. Mittagessen

Immer wieder wichtig bei Konferenzen und Workshops aller Art ist eine leckere Verpflegung, am besten noch im Grünen mit Sonnenschein und Ausblick. Kein Zweifel: Alle Bedingungen waren rundum erfüllt. 

Zukunft der Bildung: Was muss sich ändern?

Welche Veränderungen braucht es in Sachen Bildung? Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um zukünftige Generationen erfolgreich auf das Leben vorzubereiten? Wiederum in Kleingruppen setzten sich die Teilnehmer mit konkreten Maßnahmen zur Stärkung der Bildung auseinander und stellten die fünf wichtigsten Punkte anschließend im Plenum vor. Da auch hier Schwerpunkte und Herangehensweisen je nach Gruppe variierten, werden die Vorschläge hier nach den Gruppen sortiert aufgeführt.

Gruppe 1

  • Ausbildung kollaborativer Skills (z.B. Musik im Orchester, Mannschaften, Teamsport)
  • Einsatz von Rollenspielen (z.B. basierend auf Gamifikation-Software)
  • Modularisierung der Lerninhalte (Modularisierung der Kompetenzentwicklung)
  • individuelle Lernprogramme (Frontalunterricht, Selbstlernen, Projektarbeit)
  • Regelmäßige Praktika der Lehrer in unterschiedlichen Lebensbereichen

Gruppe 2

  • Schritt 1: Bildungssystem erforschen (interdisziplinäre Expertengruppe)
  • Schritt 2: Ergebnis veröffentlichen (Transparenz)
  • Schritt 3: Bewerten der Bildungssysteme durch weitere Expertengruppe (Zielgruppe sind Betroffene: Lehrer, Eltern, Bürger,...)
  • Schritt 4: Experten erarbeiten auf der Basis der Bewertung konkrete Veränderungsvorschläge für Bildungssysteme (Was sollte man ändern? Was müsste man anpassen?)
  • Schritt 5: Maßnahmen umsetzen: z.B. für Schülerausbildung, neue Lehrprogramme, Lehrerausbildung anpassen

Gesellschaft arbeitet aktiv an der Änderung mit; Bildungssysteme müssen transparent sein (z.B. Lehrplangestaltung transparent gestalten, statt Geheimsache)

Gruppe 3

  • Mündigkeit ist Voraussetzung, um Mitgestalten zu können und seine Rolle als politischer Mensch und Bürger überhaupt erfüllen zu können. Dazu muss jeder überhaupt erst in die Lage versetzt werden, Zusammenhänge erkennen zu können.
  • Dazu braucht es verpflichtend Informatische Bildung, sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern; Schwerpunkt dabei ist nicht die Bedienkompetenz, sondern informatische Modellierung ("Lernort" statt Geräte)
  • Bildung mit Leben füllen („Bildung kommt nicht mit dem Möbelwagen")
  • Verpflichtung zu Transparenz auf Seiten der Konzerne (Google, Facebook, Amazon, etc.), sonst kann trotz allem Wissen keine mündige Kontrolle ausgeübt werden
  • Raus aus der Bequemlichkeitsecke ("man versteht nichts und kann nichts machen"), rein in die Verantwortung

Gruppe 4

  • Individualisiertes Lernen
  • Messen und diagnostizieren notwendig – neue Techniken nutzen
  • Kompetenzen bei den Lehrern schaffen
  • System auflockern – mehr Flexibilität, eher Lernziele vorgeben als konkrete Lehrpläne (jedoch braucht es dann auch konkrete Messmethoden)
  • Individuelles Lernen erfordert Motivation (intrinsische Motivation fördern)
Feedback

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