Forum im Diskussionskreis Blaubeuren

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Leben auf dem Hochsträß
Antwort
14.11.14 10:06
Leben auf dem Hochsträß
 
Was macht das Leben auf dem Lande, das Leben im Dorf so reizvoll?
Ist es die Landschaft, ist es die Nachbarschaft, das Vereinsleben, die Menschen ?
 
Das Hochsträß ist Heimat, es ist mehr als eine Ansammlung von Häusern.
Es ist ein Lebensraum, in dem wir alle einen Platz haben.
Wenn wir vom unserem Hochsträß, von unserem Dorf sprechen,
sprechen wir vom ländlichen Raum, von Landschaften, von herrlicher Sicht in die Alpen und den Menschen die dort leben.
 
Das Hochsträß und ihre  Dörfer sind aber viel mehr als das, was wir sehen und empfinden.
Je älter wir werden, desto mehr erkennen wir mit dem was wir sehen und fühlen.... auch das was früher war!
Also das Dorf unserer Kindheit, die Landschaft so wie sie früher aussah.
Das heißt, was wir heute sehen ist von uns so verändert, so von uns gemacht.
 
Das Dorf soll Dorf bleiben
Wenn Fachleute den Zustand der Dörfer in unserem Lande beurteilen, so heißt es
 "Die Zerstörung des Dorfbildes in Form von Ausuferung, Zerfaserung der Ortsränder, Zersiedelung der Landschaft und Verstädterungder Bauformen"
(Jürgen Christian Otterbein).
 
An den Dorfrändern entstehen Neubausiedlungen, während es im Ortskern zu Leerständen kommt.
Vor allem von Nicht-, bis Wenig- und Notnutzung der aufgegebenen landwirtschaftlichen Höfe ist die Rede.
So erhalten die Dörfer bisweilen den "Charakter eines Satelliten " mit fast leerem Kern.
Das Entfernen der dorftypischen Vegetation, leistet dieser Entwicklung zusätzlichen Vorschub.
Damit sind Obstgärten mit Wiesen und Nutzgärten gemeint, die ersetzt werden durch Zierrasen und städtisches Abstandsgrün und Stellflächen für Fahrzeuge.
Was immer mehr auffällt ist der Bedeutungsverlust der Landwirtschaft im Dorfkern.
Der das traditionelle ursprüngliche Bauerndorf in ein "Wohndorf" oder "Schlafdorf" mit "ländlicher Kulisse" verwandelt.
Wenn die Dörfer attraktiv  bleiben und nicht ausbluten  sollen, dann haben die städtische Verwaltung mit Bürgermeister und Gemeinderäte und Ortschaftsräte, sowie aber auch die Bevölkerung eine sehr wichtige Aufgabe bei der Innenentwicklung.
 
Das mag manchmal gehörigen Ärger mit sich bringen,
weil die Bauherren die im Dorfgebiet was verändern wollen
und in der Regel ja mit knappen Budgets auskommen müssen.
Zusätzlich manchen steuerliche und rechtliche Hürden bei der Umnutzung das Ganze umso schwieriger.

Das ist die eine Seite, die andere Seite/Frage ist?
Kennen die modernen Bauherren noch den "Hofbaum",
den Lebensbaum der Familie,sei es hinter dem Haus, sei es im Vorgarten.
Was ist mit den traditionellen Bauerngärten, in denen Gemüse, Obst und Blumen angebaut werden?
Wollen sie noch einen Bauerngarten der "nur" Arbeit macht?
 
Wichtig ist doch, dass sich Um- und Neubauten in die vorhandene Hauslandschaft und in die ortsbildprägende Bausubstanz einfügen.
Die Verbindung traditioneller Bauformen mit neuer Architektur kann ebenso kreativ sein
wie der Naturbezug der sanfte Übergänge von der Landschaft zur Siedlung schafft.
Dieses Engagement im Dorf wird in der Regel immer mit einem einzigartigem Wohnraum und Lebensraum belohnt.

Das sehr Positive bei der Geschichte ist die Einschränkung des Landschaftsverbrauches.
Man lebt in einem  "Zentrum" mit neuen Wohnraum aber in einer gewachsenen Struktur.

Die Verdichtung der Bebauung  und das mit Leben füllen der Dörfer in der Mitte, ist das einzige Mittel um Leerständen und Verfall im Dorf entgegenzuwirken.
 
Es geht weiter!
Welche Rolle spielt heute noch der Dorfplatz?
Ist er gestaltet, vielleicht baumgesäumt, heckenbepflanzt oder bietet er lediglich asphaltierte Leere?
Gibt es noch die Dorflinde?
Gibt es noch die Hüle oder den Dorfbrunnen und in welchem Zustand befindet sie/er sich?
Was ist mit der Streuobstwiese am Ortseingang?
Durch das Anlegen von Straßen begleitende Bäumen beispielsweise werden erlebbare Räume geschaffen.
Eine Straße oder Weg bekommt so ein ganz besonderes Aussehen.
 
Für die Menschen
Bereits heute sind Dörfer häufig Zonen der Entschleunigung,
was Fahrbahnverschwenkungen am Ortsein- und Ortsausgängen und schmälere Fahrbahnen mit Fußgängerwegen signalisieren:
Im Dorf haben die langsameren Verkehrsteilnehmer Vorfahrt ?
Darum sind alle Maßnahmen zu begrüßen, die den innerörtlichen Verkehr verlangsamen.
Dazu gehören dann Verschwenkungen , Aufpflasterungen oder Straßenschwellen, Halte- und Parkbuchten und die geliebten Kreisverkehre.
Dabei darf aber der Winterdienst und die Bewirtschaftung der noch bestehenden Landwirtschaft und der Gewerbebetrieb nicht zu sehr eingeschränkt werden.
 
Lebenräume......
Das sind und waren unsere Dörfer,
ein Symbol für Leben und Arbeit auf dem Land,
für den Feierabend,
für Geborgenheit und Heimat umrahmt von Natur.
 
 
Zum Schluss….
Ich denke an ..... einen Dorfplatz, der einlädt zum Plaudern und Lachen zugleich eine Atmosphäre der Ruhe und Sammlung verströmt,
oder eine Dorfwirtschaft in der man sich ungezwungen treffen kann.
Ich denke an den Bauerngarten, der mit Blumen und Gemüse und Obstbäumen ein Stück Natur ins Dorf bringt.
Ich denke an Alleen die mich begrüßen wenn ich nach Hause komme
oder die Kirche die von weitem schon sehe.
Ich denke aber auch an die Arbeitsplätze im, am und beim Dorf
oder über kurze Wege zur Arbeitsstelle außerhalb und an die noch vorhandene Landwirtschaft.
Natürlich auch an die Menschen, Freunde, Bekannten und Nachbarn die dort wohnen.

Das Wunder der Natur und des Lebens als solches wieder wahrzunehmen.
Auf dem Land, im Dorf ist dies möglich, leichter als in dem anonym pulsierenden Leben der Städte.

Dies alles macht das wohnen und leben auf den Hochsträßdörfern aus.........

Beitrag passend einsortiert
Antwort
13.11.14 14:57 als Antwort auf Hermann Zeller.
Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich habe diesen in eine passende Kategorie einsortiert.

Viele Grüße
Niels Ott
Online-Moderation PolitAktiv