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Polit@ktiv macht Bürger­beteiligung. Online und vor Ort, von der Planung ganzer Prozesse bis zur Durch­führung. Darüber schreiben wir hier. Und wir fragen Experten zu über­geordneten Themen rund um Bürger­beteiligung, Parti­zi­pation und Demo­kratie.

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Unsere Linktipps rund um Bürgerbeteiligung im November

Immer wieder stoßen wir bei unserer Arbeit auf Links, Texte oder Interviews mit Menschen, die wir interessant finden. Mit unseren Linktipps rund um Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung wollen wir diese Anregungen an Sie weitergeben.

Hier sind unsere Linktipps für den Monat November:

Politische Kommunikation in sozialen Medien I

Politische Kommunikation in sozialen Medien kann gefährlich sein. Politikberater helfen Politikern dabei, sich und ihre Standpunkte im Netz darzustellen. Im PolitAktiv-Blog sprachen wir mit Politikberater Michael Fuchs, besser bekannt als Hamburger Wahlbeobachter, darüber, wie politische Kommunikation in den sozialen Medien funktionieren kann. Das gesamte Interview lesen Sie hier.
 

Politische Kommunikation in sozialen Medien II

Politische Kommunikation ist auch Thema beim Expertenforum Bürgerbeteiligung 2017. Die jährliche Tagung in Tübingen wird sich diesmal mit Politik in den sozialen Medien beschäftigen und findet am 3. März 2017 statt. Erste Informationen zum Expertenforum Bürgerbeteiligung 2017 finden Sie hier.
 

Politische Kommunikation in sozialen Medien III

Wann geht politische Kommunikation zu weit? Welche Möglichkeiten und welche Grenzen haben Kommunen, wenn sie mit ihren Bürgern kommunzieren? Prof. Dr. Hubertus Gersdorf hat uns in einem ausführlichen Interview das schwierige Feld erklärt.
 

Politische Kommunikation in sozialen Medien IV

Einen kritischen Blick auf politische Kommunikation im Netz hat die Demokratieforscherin Prof. Dr. Ulrike Guérot - und glaubt dennoch, dass das Internet die Agora der Zukunft sein wird. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was das Internet mit der Demokratie macht.
 

Inklusion I

Inklusion wird in Schwäbisch Gmünd momentan groß geschrieben. Mit einem Aktionsplan Inklusion hat die Stadt Menschen mit Behinderungen aller Art an einen Tisch gebracht und mit ihnen über ihre Bedürfnisse gesprochen. Wir sprachen mit Sandra Sanwald von der Stadt über die große Beteiligung -  das gesamte Interview lesen Sie hier.
 

Inklusion II

Inklusion ist nicht nur kommunal ein großes Thema - auch die Wrtschaft macht sich Gedanken über die Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Das Medienmagazin Quotenmeter.de hat sich angeschaut, wie Inklusion im Fernsehen umgesetzt wird.

Wir wünschen Ihnen engagierten Lesegenuss!

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Aktionsplan Inklusion in Schwäbisch Gmünd: "Menschen mit Behinderung sollen in allen Bereichen teilhaben"

Sandra Sanwald arbeitet im Bereich Inklusion bei der Stadt Schwäbisch Gmünd. Mit PolitAktiv sprach sie über den Aktionsplan Inklusion, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Stadt und über zukünftige Aufgaben der Gesellschaft.

Frau Sanwald, im Vorwort zum Aktionsplan Inklusion sagt der Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold: „Wir bekennen uns dazu: Menschen mit Behinderung können nun an Allem teilhaben.“ An was konnten Menschen mit Behinderung vor dem Aktionsplan nicht teilhaben?

 

Menschen mit Behinderung ist in einigen Bereichen des Lebens der Zugang erschwerter als Menschen ohne Behinderung, wir befinden uns in einem Prozess. Der Aktionsplan Inklusion sagt nun deutlich, dass Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft teilhaben sollen und müssen. Er soll die Eingliederung leichter machen.

Der Aktionsplan Inklusion geht auf die Barcelona-Erklärung zurück, der die Stadt Schwäbisch Gmünd beigetreten ist. Warum war erst 2015 der richtige Zeitpunkt, um der Erklärung beizutreten?

Der Gedanke kam erstmals bei den Planungen zur Landesgartenschau auf. Der Beitritt zur Barcelona-Erklärung wurde durch Menschen mit Behinderung initiiert. Dieses Engagement hat die Stadt aufgegriffen. Wir haben dann einen entsprechenden Zeitplan aufgestellt und die Weichen für die Bürgerbeteiligung gestellt.

Waren vor dem Aktionsplan Menschen mit Behinderung in Schwäbisch Gmünd nicht beteiligt?

Menschen mit Behinderung waren natürlich auch vor dem Aktionsplan in Schwäbisch Gmünd beteiligt. Die Planungen zur Landesgartenschau haben aber dem Thema noch einmal frischen Wind gegeben. Dazu kommt die gesamtgesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre.

 

"Der Aktionsplan Inklusion sagt deutlich, dass Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft teilhaben sollen und müssen. Er soll die Eingliederung leichter machen."

 

Welche Erwartungen hatte die Stadt an den Aktionsplan Inklusion?

Wir wollten die Barcelona-Erklärung als Gerüst sehen, wie wir zukünftig Inklusion in Schwäbisch Gmünd umsetzen wollen. Wie bekommen alle Menschen die gleichen Zugangsmöglichkeiten? Welche Dinge sind besonders wichtig?

Bürgermeister Arnold sagt im Vorwort zum Aktionsplan Inklusion auch: „Eine Stadt lebt durch ihre Menschen. Und alle sind verschieden.“ Bei der Auftaktveranstaltung in Schwäbisch Gmünd kamen alle diese verschiedenen Menschen zusammen. Wie bekommt man diese Menschen und ihre Bedürfnisse am Ende alle an einen Tisch?

Wir haben in Schwäbisch Gmünd beispielsweise einen Inklusionsbeirat gegründet. Dort sitzen Menschen mit verschiedensten Behinderungen zusammen. Dazu haben wir verschiedenen Interessengruppen aufgesucht und die Menschen dort persönlich gefragt, was sie brauchen und was sie wollen, um festzustellen, welche Bedürfnisse es wo gibt.

Welche Beteiligungsmöglichkeiten gab es noch?

Wir haben die Leute an den Stammtischen besucht, aber auch in Vereinen oder in der Kirchengemeinde. Dazu gab es verschiedene Veranstaltungen und auch eine Beteiligung im Internet.

 

"Das Internet war eine gute Dokumentation. Im Bereich von Menschen mit Behinderung ist allerdings der persönliche Kontakt sehr viel wichtiger."

 

Welche Rolle spielte denn das Internet bei der Bürgerbeteiligung?

Das Internet war eine gute Dokumentation. Man konnte schnell erfassen, wer was wollte und hatte einen guten Überblick. Diskutiert wurde auf der Seite aber nicht sehr viel. Im Bereich von Menschen mit Behinderung ist allerdings der persönliche Kontakt sehr viel wichtiger.

Sie haben während der Beteiligung nicht nur Wünsche und Bedürfnisse gehört, sondern wurden auch mit persönlichen Schicksalen konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?

Als Sozialpädagogin arbeite ich schon seit vielen Jahren in diesem Bereich und bin deswegen mit der Materie vertraut. Aber ich fand es wirklich beeindruckend, wie die Menschen uns vertraut haben und sich geöffnet haben und habe viel gelernt, was Menschen durch ihre individuelle Behinderung für Bedürfnisse haben. Mir war zum Beispiel neu, dass Menschen mit Hörbehinderung und gehörlose Menschen auch leichte Sprache bevorzugen. Die Menschen haben sich ernst genommen gefühlt. Und am Ende ist ein ganzer Ideenkatalog entstanden!

Hat man als Stadt eine besondere Verantwortung, wenn man sich um Menschen mit Behinderung kümmert?

Wünsche und Hoffnungen gibt es bei jeder Beteiligung. Die Verantwortung hat in Bezug auf Inklusion aber am Ende nicht die Stadt als Verwaltung allein, sondern vor allem die Stadt als Gesellschaft, weil Inklusion ein Menschenrecht ist.

 

"Die Menschen haben sich ernst genommen gefühlt.
Und am Ende ist ein ganzer Ideenkatalog entstanden!"

 

Inzwischen ist der Aktionsplan vom Gemeinderat beschlossen. Wie geht es jetzt in Schwäbisch Gmünd weiter?

Wir setzen die einzelnen Maßnahmen nun um. Die Umsetzung wird vom Inklusionsbeirat begleitet und überwacht.

Im Vorwort zum Aktionsplan Inklusion steht: „Menschen mit Behinderung haben die selben Rechte wie alle.“ Haben die Menschen mit Behinderung in Schwäbisch Gmünd jetzt die selben Rechte?

Ja, denn das ist ein Menschenrecht. Ich glaube auch, dass sich Menschen mit Behinderung jetzt mehr integriert und hoffentlich mehr gesehen fühlen. Genauso glaube ich, dass auch Menschen ohne Behinderung jetzt besser aufgeklärt sind, aber das ist ein Prozess, der fortgeführt werden muss. Dazu braucht es zum Beispiel die reale Begegnung und einen Raum, wo diese Begegnungen stattfinden kann. Ebenso braucht es dazu Berichte in der Presse und Veranstaltungen zum Thema.

Frau Sanwald, vielen Dank für das Gespräch.

 

Weiterführende Links:

Das Gespräch führte Redakteur Sascha Blättermann.

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Interview mit Martin Fuchs: "Hatespeech gab es schon immer!"

Der Politikberater und Blogger Martin Fuchs, bekannt als Hamburger Wahlbeobachter, über Vorteile digitaler Kommunikation von Kommunen, Angst vor Shitstorms und seine Aktion #Wahlplakatefromhell

Herr Fuchs, was macht eigentlich ein Politikberater?

Politikberater kann sich grundsätzlich erst einmal jeder nennen. Der Begriff ist nicht geschützt. Fokussiert auf den Bereich digitale Kommunikation berate ich Parlamente, Regierungen, Parteien und öffentliche Institutionen und erkläre ihnen, wie sie die Bürger mit ihren Themen auf digitalen Kanälen erreichen können, parteiübergreifend, in Deutschland, aber auch im Ausland.

Ab welcher Größe brauche ich Sie als Berater?

Das ist unterschiedlich. Ich habe in der Vergangenheit schon Städte ab 40.000 Einwohnern beraten, die eine digitale Kommunikationsstrategie haben wollten. Kleinere Städte haben oftmals noch nicht die Relevanz für eine professionelle Beratung gesehen.

Ab welcher Größe sollte eine Kommune überlegen, ins Netz zu gehen?

Das kann man so pauschal gar nicht sagen. Ich kenne aber zum Beispiel kleine Dörfer, die einen eigenen Blog, Facebook oder YouTube haben. Eine eigene Webseite gehört im Jahr 2016 sogar zum Standard auch für sehr kleine Verwaltungseinheiten.  

 

“Bei Bürgern ist inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung entstanden, dass die eigene Kommune auch im Netz ansprechbar sein muss.” 

 

Warum brauchen Kommunen Sie als Berater?

Das Kommunikations- und Informationsverhalten der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren drastisch geändert. Immer mehr Menschen sind in Deutschland online. Die sprechen dort aber nicht nur über Katzenvideos, sondern auch über politische Inhalte, gerade in den sozialen Netzwerken. Bei der letzten Bundestagswahl haben sich über 50 Prozent der unter Dreißigjährigen über soziale Medien informiert, in der Zielgruppe aller Onliner war es ein Drittel. Das wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Bei Bürgern ist inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung entstanden, dass die eigene Kommune auch im Netz ansprechbar sein muss. Sie wollen einen Termin mit dem Amt online ausmachen, sich Formulare per PDF herunterladen oder zu aktuellen Themen informiert werden. Wenn Kommunen also ihre Bürger erreichen wollen, sollten sie sich vernetzen und im Netz Informationen bereitstellen. Durch das Netz können Verwaltungen die eigene Politik dem Bürger schmackhaft und transparent machen.

Was ist der Mehrwert des Internets für die Kommune? Ist es vor allem die Bereitstellung von Informationen?

Informationen bereitzustellen, kann der erste Schritt sein. Viel spannender ist es, das Netz für Feedback zu nutzen, weil dann eine Kommune etwas darüber erfährt, wie die Gesellschaft tickt und was in der eigenen Kommune vorgeht. Viele Leute kommen gar nicht mehr zum Stammtisch oder besuchen das Rathaus. Durch die sozialen Medien bekommen Sie aber einen Eindruck davon, wie und über was die Menschen gerade in der Stadt reden.

Ich kann als Bürgermeister auf Facebook erkennen, wo bei meinen Bürgern der Schuh drückt?

Das muss gar nicht nur auf Facebook sein, es kann auch Twitter oder Xing oder anderswo sein. Ich kann mit Monitoring-Tools die Stimmungslage gut erkunden, zum Beispiel Google Alerts oder Google Trends. Sie können auch bestimmte Hashtags in sozialen Netzwerken untersuchen oder nach bestimmten Themen suchen und diese lokal eingrenzen oder eigene Umfragen auf Facebook starten.

Aber ich weiß doch gar nicht, ob die Leute, die beispielsweise bei Facebook, tatsächlich aus meiner Kommune kommen. Und was ist mit den Menschen, die nicht bei Facebook sind?

Schauen Sie sich Boris Palmer an, den Oberbürgermeister von Tübingen. Er setzt sehr aktiv auf soziale Netzwerke. Aber er geht auch aufmerksam durch seine Stadt, bemerkt Dinge, sieht Diskussionsbedarf und bringt sich sehr stark in die Community ein - und genau deswegen weiß er auch, wer sich in den Diskussionen einbringt. Wenn man sich längere Zeit in einer Community bewegt, kennt man die Leute. Dieses Meinungsbild ist sehr viel wertvoller, als wenn man eine deutschlandweite Umfrage herunterrechnet auf seine Kommune. Sie können aber heute auch zum Beispiel bei Faceboook jeden einzelnen Beitrag auswerten und anhand der statistischen Daten anschauen, von wem der Beitrag real gesehen wurde, also auch woher die Nutzer kamen, die den Beitrag wahrgenommen haben.

 

“Viele Leute kommen gar nicht mehr zum Stammtisch oder besuchen das Rathaus. Durch die sozialen Medien bekommen Sie aber einen Eindruck davon, wie und über was die Menschen gerade in der Stadt reden.”

 

Das Netz löst den Ort auf, an dem eigentlich Politik gemacht wird. Ist das nicht gerade auf kommunaler Ebene ein Problem?

Sie bauen gerade einen Gegensatz von analog und online auf, aber eigentlich sollte man das integriert betrachten. Wenn ich mich mit einem Thema beschäftigen möchte, sollte ich das online und offline tun über alle Kanäle, die ich habe. Nicht alle Bürger können um 18 Uhr bei der Bürgerversammlung vor Ort sein, weil sie vielleicht Kinder haben, gehbehindert sind, noch arbeiten müssen oder unterwegs sind. Diese Bürger erreichen Sie aber online, weil das Netz nicht zeitlich oder örtlich gebunden ist.

Das Basispaket für Bürgermeister ist also die eigene Homepage und die eigene Seite bei Facebook?

Über die eigene Homepage können Bürgermeister am besten Informationen bereitstellen und in eine thematische Struktur stellen. Ob Facebook die richtige Plattform ist, hängt von der Strategie ab. Wenn eine Kommune mit 50.000 Einwohnern bei Facebook ein Profil erstellt, glaubt sie oft, dass alle 50.000 Einwohner auch ihre Zielgruppe sind. Das ist aber falsch: Nicht alle Einwohner sind politisch und von denen haben auch nicht alle Interesse, über die Kommune zu diskutieren. Ich muss also schauen, welche Leute ich eigentlich erreichen will – und dann entscheiden, auf welcher Social-Media-Plattform ich meine Zielgruppen am effektivsten erreiche. Das muss nicht zwingend Facebook sein.

Wie weit darf ich mich als Bürgermeister im Netz selbst darstellen?

Die Eigendarstellung gehört dazu. Diskussionen in sozialen Netzwerken leben davon, dass man auch mal seine eigene Meinung und seine Position einbringt. Schauen Sie sich wieder Boris Palmer an: Während ganz Deutschland über die Abschaffung des Bargelds diskutiert, fragt Palmer über die sozialen Netzwerke, ob man in Tübingen noch Bargeld benötigt und stellt ein Foto dazu mit Bargeld, dass er gerade in seiner Hosentasche hat. Grundsätzlich sollte man sich als Person darstellen, die Politik macht, es zwingt Sie aber keiner, privat zu werden. Dennoch sollten Sie zeigen, dass man auch noch andere Interessen hat und ein normaler Mensch ist.

Auf der anderen Seite gehört der Shitstorm auch dazu, wenn es um Kommunikation und Eigendarstellung im Netz geht. Wie kommuniziere ich unliebsame Dinge im Netz?

Shitstorms sind vor allem ein Medienthema. Die allerwenigsten Politiker und Unternehmen hatten bisher einen richtigen Shitstorm. Ich sehe aber auch, dass über achtzig Prozent der Politiker keine Netiquette formuliert haben, in der klar definiert ist, wie man diskutieren sollte, was geht und was nicht geht und wie man reagieren wird, wenn jemand diese Grenzen überschreitet. Dann können Sie die Leute blockieren oder anzeigen. Aber: Jeder, der in die Politik geht, macht das, weil er das Land verändern möchte, weil er seine Stadt besser machen möchte. Sicher wird es immer Leute geben, die die eigenen Ideen nicht gut finden. Hatespeech gibt es immer. Aber die große Chance des Netzes ist es eben, dass es die verschiedenen Meinungen transparent macht. Am Stammtisch hat die Politik das so bisher lediglich nicht mitbekommen. Hatespeech war immer da! Durch das Netz kann man viel genauer schauen, was die Bürger denken und wie sie reden.

 

“Shitstorms sind vor allem ein Medienthema. Die allerwenigsten Politiker und Unternehmen hatten bisher einen richtigen Shitstorm.”

 

Eines ihrer erfolgreichen Blogformate sind die #Wahlplakatefromhell. Warum brauche ich in Zeiten der sozialen Medien noch ein Wahlplakat aus Pappe an der Straße?

Das Wahlplakat ist immer noch das zentrale Werbeinstrument aller Parteien und wird es auch noch in 15 Jahren sein. Plakate hängen sechs Wochen vor der Wahl in der Stadt, sie sind sichtbar und zeigen jedem Bürger, dass jetzt Wahlen stattfinden. Diese Funktion ist nicht unwichtig. Zudem würden Parteien einen Nachteil bekommen, wenn sie anfangen würden, als einzige auf Plakate zu verzichten. Das nennt man Plakatierungsdilemma.

Wahlplakate haben aber keinen Inhalt mehr.

Das war schon immer die große Kritik an Wahlplakaten. Es ist sehr schwierig, große und komplexe Themen auf ein Wahlplakat herunterzubrechen. Ein Wahlplakat kann auch nicht das komplette Programm einer Partei wiedergeben.

Wird denn eine Partei tatsächlich stärker wahrgenommen, wenn sie „Mehr Bildung!“ auf ein Wahlplakat schreibt?

Das ist auch eine Kritik, die ich an Wahlplakaten habe. Sie müssen schon etwas konkreter sagen, was Sie machen wollen – zum Beispiel, 5000 neue Lehrerstellen zu schaffen – und mit ihrem Plakat rüberbringen, was bessere Bildung eigentlich für sie bedeutet.

Wählen wir denn Politiker überhaupt für ihre öffentliche Darstellung oder wegen eines Wahlplakats?

Man kann auch fragen: Kennt ihr eigentlich euren Abgeordneten in eurem Wahlkreis? Wisst ihr, was der in den letzten Jahren gemacht hat? Als Spitzenpolitiker sind sie ständig in den Medien, aber als Kommunalpolitiker haben sie einen kleinen Kreis von Fans, Freunden und Familie, der sie und ihre Politik kennt. Da muss man schauen, dass man als Politiker auch in den fünf Jahren zwischen den Wahlen mit seinem Thema bei den Wählern bekannt wird. Alle fünf Jahre seine Plakate aufzuhängen, bedeutet also noch lange nicht, dass man gute Arbeit gemacht hat.

Man könnte ja sagen: Es werden ja nicht nur Wahlplakate immer inhaltsloser, sondern auch die Reden der Politiker selbst.

Diese Kritik gibt es, seit es Politiker gibt und ich bin kein Fan von pauschalem Politikerbashing. Es mag Politiker geben, die nur inhaltslos reden. Aber es gibt eben jenen Politiker, der lieber Akten liest und es gibt den Politiker, der das Rampenlicht sucht.

Nun war in Berlin gerade Landtagswahl. Welches Plakat war ihr Lieblingsplakat?

Es gab sehr viele schöne Plakate. Ich kann da kein Plakat herausgreifen. Innovativ fand ich aber die Piraten Friedrichshain-Kreuzberg, die mit LED-Plakaten geworben haben, die nachts leuchteten.

Herr Fuchs, vielen Dank für das Gespräch.

 

Weiterführende Links:

Das Gespräch führte Redakteur Sascha Blättermann.

Bildnachweis: Privat
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In eigener Sache: Polit@ktiv, HIT, Integrata Stiftung: Wer ist und macht hier was?

Immer wieder wird uns die Frage gestellt, wie Polit@ktiv, HIT und Integrata Stiftung eigentlich miteinander in Verbindung stehen. Was ist das eine? Was macht das andere? Und wer steckt eigentlich dahinter? Um hoffentlich endgültig Klarheit zu schaffen oder zumindest weiter Licht ins vermeintliche Dunkel zu bringen, haben wir mal eine kleine Übersicht zusammengestellt. Lesen Sie hier weiter!

Klimaschutz in der Kommune: Die Zukunft wird (zu) heiß

Es ist Zeit zum Anpacken - für Alle. Ein Kommentar von Niels Ott.

Ein Sommer nach dem Motto „sitzen und schwitzen“: In unserem kleinen, aber feinen Büro hier bei Polit@ktiv gibt es dieses Jahr eine Neuerung: Wir haben nun eine Klimaanlage. Noch letzten Sommer hätten wir so ein Gerät als energieverschwendende Unnötigkeit abgetan, doch in diesem Sommer können wir uns ohne Kühlung das Arbeiten gar nicht mehr vorstellen. Das Klima beschäftigt uns aber auch aus noch ganz anderen Gründen: Im badischen Bühl begleiten wir ein Bürgerbeteiligungsprojekt zum Thema Klimaschutz.

Dadurch wird uns die Dringlichkeit des Themas auf lokaler wie globaler Ebene ebenso bewusst, wie seine Vielschichtigkeit und seine Kontroversen. Im Jahr 1999 veröffentlichten der US-amerikanische Wissenschaftler Michael E. Mann und seine Kollegen ihr bekanntes Hockeyschläger-Diagramm. Es zeigt schlicht die Entwicklung der Durchschnittstemperatur auf der Erde in den letzten 1000 Jahren. „Nach hinten raus“ und mit der Hochrechnung in die damalige Zukunft hinein steigt die Kurve so stark an, dass ihre Form an einen Hockeyschläger erinnert. Ihre Kernaussage: Seit Beginn der Industrialisierung steigt die Temperatur der Atmosphäre rasant an und das wird so weitergehen.

 

Seit Beginn der Industrialisierung steigt die Temperatur der Atmosphäre rasant an
und das wird so weitergehen.

 

Kontrovers wurde dieses Diagramm diskutiert, nicht nur in der Wissenschaft, auch in der Öffentlichkeit. Verfahrensfehler wollten festgestellt werden, es ging eine Weile drunter und drüber, aber schlussendlich kamen andere Wissenschaftler zu ähnlichen Ergebnissen. Ein paar Klimaskeptiker sind noch übrig: Die einen behaupten, die Wissenschaft würde sie belügen und es würde gar nicht wärmer, die anderen haben den Hockeyschläger akzeptiert und kauen auf dem verbleibenden Punkt herum: Ist der Klimawandel menschengemacht oder nicht?

Gegenfrage: Spielt das eigentlich überhaupt eine Rolle?

Natürlich sind die Abschätzungen der Durchschnittstemperatur auf der Erde bis in graue Vorzeit hinein ein schwieriges Manöver. Schließlich gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert Temperaturaufzeichnungen. Alles davor kann nur abgeschätzt werden: Aus der Beschaffenheit von Gestein aus Bohrkernen – je tiefer man bohrt, desto weiter in die Vergangenheit kommt man. Aus den Spuren von Gletschern, die auf deren ehemaliges Ausmaß rückschließen lassen. Noch ein paar andere mehr oder weniger zuverlässige sogenannte „Klima-Proxies“ stehen zur Verfügung, also im wesentlichen stellvertretende Phänomene, die einen Rückschluss auf die Temperatur ganz viel früher erlauben.

 

Es ist schon lange an der Zeit, vom Wissen zum Handeln zu gelangen, denn die Konsequenzen aus dem Klimawandel werden verheerend sein, jede einzelne von ihnen.

 

Glaubt man den Prognosen und der erforschten Klimageschichte, so wird es im Jahr 2100 auf der Erde im Durchschnitt in etwa so warm sein, wie zuletzt etwa vor 20 Millionen Jahren. Erste Funde des Homo Erectus, einem frühen Vorfahren von uns, dem Homo Sapiens, datieren zurück auf eine Zeit vor 1,9 Millionen Jahren. Gemessen daran war die Temperatur in den letzten Zehntausend Jahren sehr stabil. Bis heute – und jetzt ändert sie sich. Macht das der Mensch, indem er das Kohlenstoffdioxid aus fossilen Brennstoffen in die Luft jagt, das über Jahrmillionen in den Bodenschätzen eingelagert wurde? Oder passiert das einfach so?

Letztendlich spielt es womöglich keine Rolle: Wir wissen, dass der Treibhauseffekt das Klima verändert, dass es zunehmend wärmer wird. Wir wissen, dass die Treibhausgase in der Atmosphäre zunehmen – und wir wissen auch zunehmend besser, was man dagegen tun kann. Es ist schon lange an der Zeit, vom Wissen zum Handeln zu gelangen, denn die Konsequenzen aus dem Klimawandel werden verheerend sein, jede einzelne von ihnen. Nur ein Beispiel: Wir werden uns nicht mehr so sehr daran hitzig diskutieren, wer ein Kriegsflüchtling und wer ein Wirtschaftsflüchtling ist – denn der Strom an Klimaflüchtlingen wird womöglich noch weit größer ausfallen.

Es ist Zeit zum Anpacken. „Global denken, lokal handeln“, das ist eine Maxime, die nicht an Gültigkeit verloren hat. In Bühl ist man bereits auf dem Weg. Unter anderem schlagen dort Bürgerinnen und Bürger ihrer Stadtverwaltung vor, was verbessert werden könnte. Von der Schaffung von Solartankstellen für Elektroautos über mehr Radwege bis hin zur nur vordergründig kuriosen Windelverbrennungsanlage ist einiges dabei – auch der eindringliche Hinweis, dass Klimaschutz vor allem die Kinder angeht, da diese die Auswirkungen des Klimawandels noch viel stärker erleben werden. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Städte und Gemeinden diesem Beispiel folgen werden.

 

Weiterführende Links

Bildnachweis: Fotolia (Artikelbild), Wikimedia Commons (Hockeyschläger-Diagramm)
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Aktuelles bei Polit@ktiv

03. Juli 2018: Das Berlin-Institut für Partizipation hat ein Interview mit dem Vorstand der Tübinger Integrata-Stiftung, in dem dieser Polit@ktiv vorstellt. Den Beitrag finden Sie in unserer Presseschau.

11. Juni 2018: Vor dem DEMO-Kommunalkongress veröffentlicht das Kommunalfachblatt DEMO einen Fachartikel von Michael Mörike über die Bürgerbeteiligung der Zukunft. Den Beitrag finden Sie in unserer aktualisierten Presseschau.

04. Juni 2018: Wie können Beteiligungsprozesse noch mehr Bürger erreichen? Ideen im Blog-Gastbeitrag von Julian Merkel.

30. Mai 2018: Tipp: Besuchen Sie uns beim 13. Demo-Kom­munal­kon­gress am 22. Juni 2018 in Berlin und diskutieren Sie mit uns auf dem Podium.

28. Mai 2018: Die Entscheidung in Metzingen ist gefallen - und wir haben den gesamten Prozess in Bild und Ton dokumentiert.

06.05.18, Neu im Blog: Wir gehen gemeinsam mit Experten und Beteiligten der Frage nach, wie Bürgerbeteiliung 2030 aussehen wird.