Über den Blog

Polit@ktiv macht Bürger­beteiligung. Online und vor Ort, von der Planung ganzer Prozesse bis zur Durch­führung. Darüber schreiben wir hier. Und wir fragen Experten zu über­geordneten Themen rund um Bürger­beteiligung, Parti­zi­pation und Demo­kratie.

Partnerblogs:

Autoren

Redaktion

Sascha Blättermann
E-Mail schreiben

Letzte Gastartikel

Experten

In unregel­mäßigen Ab­ständen führen wir Inter­views mit Ex­perten. Hier finden Sie eine Aus­wahl neuerer Interv­iews:

Alle Inter­views in unserem Blog finden Sie auf der ent­sprechen­den Themen­seite.

Kein Schwein ruft mich an ....

 

Heute mal was Neues: Ein Blogbeitrag aus dem Vertrieb von PolitAktiv.
Mein Name ist Christoph Ries und ich möchte mich heute mit der Problematik „Telefonakquise von Bürgermeistern - den Bürgermeister ans Telefon bekommen“ auseinandersetzen.

Gehen wir an den Anfang einer solchen Akquise. Es beginnt mit einem Telefon, mit mir und der Kontaktadresse eines Bürgermeisters. Ich wähle die Nummer und warte - schon taucht das erste Problem auf. Ungefähr die Hälfte der Nummern sind beim ersten Anruf gar nicht erreichbar (es klingelt durch oder ist besetzt). Meldet sich jemand an der anderen Seite ist es nicht der Bürgermeister, in 90 % der Fälle ist es die Vorzimmerdame.

Also stelle ich kurz mich und danach PolitAktiv in 2 Sätzen vor und verlange direkt danach den Bürgermeister zu sprechen. Jetzt wird es spannend, denn verschiedene Faktoren sind für meinen Erfolg, einen Bürgermeister an die Strippe zu bekommen, maßgeblich:
    seine momentane Verfügbarkeit - hat er gerade einen Termin heißt es nochmal anrufen bitte.
    Nach der Erwähnung von „Bürgerbeteiligung“ in der Vorstellung blockt die Vorzimmerdame eine Weiterleitung mit einem Vorwand - Schuld daran sind meistens Probleme der Gemeinde mit Bürgerbeteiligung in der Vergangenheit.
    die Vorzimmerdame fragt nach einer schriftlichen Vorstellung des Projekts um sie dem Bürgermeister vorzulegen – ungünstig, da das zusätzliche Zeit in Anspruch nimmt und meinst nicht zu einem Termin bei dem Bürgermeister führt.
    Der Bürgermeister hat gerade Zeit - Punkt 2 und 3 kommen nicht zum Tragen: Ich werde verbunden!!!
Auch wenn dies nur ein kleiner Abriss der Möglichkeiten ist, so wird deutlich, dass die meisten Versuche mit einem Bürgermeister ein Telefongespräch zu führen, schlicht schon im Vorzimmer scheitern. So muss ich im Schnitt zwischen 3 und 4 Rathäuser anrufen um mit einem Bürgermeister zu telefonieren.
So, ich habe nun also einen Bürgermeister am Telefon. Dass es nicht so einfach sein wird ihn davon zu überzeugen, dass wir das Projekt seiner Wahl sind, liegt auf der Hand. Doch wie das funktionieren kann, dass erkläre ich ein andermal.

Wie Zeitung von gestern wieder wertvoll wird

Wenn Bürger an einem kommunalen Projekt beteiligt werden sollen, dann gibt es vorher immer schon reichlich Artikel in der lokalen Presse über das jeweilige Thema: Klar - es ist ihre Aufgaben und in ihrem Interesse zu berichten.

Bei der Bürgerversammlung, die die Bürgerbeteiligung einleitet, informiert die Verwaltung aus ihrer Sicht - wie könnte es anders sein? Die Presseartikel, die schon vorher erschienen sind, berichten dagegen aus unabhängiger Haltung - oder sollten dies jedenfalls - oft auch kritisch.

Es ist daher gut, wenn die Bürger während der Beteiligungsphase nicht nur die Informationen der Stadt, sondern möglichst alle auch aus der Presse verfügbaren Informationen vorliegen haben, um sich ihre eigene Meinung bilden und diese dann auch einbringen zu können.

Nun wird sich kaum ein Bürger die Mühe machen und frühere, oft lange Zeit zurückliegende Artikel zusammenzusuchen, auch wenn dies heute mit dem Internet weniger Arbeit ist, als wenn man sie auf dem Speicher in alten Zeitungen suchen muss.

Es ist also hilfreich, wenn dies eine neutrale Stelle übernimmt. Die Verwaltung hat daran eventuell kein Interesse. Die lokale Presse selbst? Auch sie wird die Artikel der Konkurrenz nicht zusammentragen wollen. Dies ist vielmehr eine ureigene Aufgabe einer Beteiligungsplattform wie PolitAktiv. Es ist daher ein Dienst für die Bürger, wenn PolitAktiv schon vor der ersten Bürgerversammlung für eine Bürgerbeteiligung alle zum Thema gehörigen Presseartikel zusammenträgt, einschließlich Radiosendungen und Videos.

Platanenallee: erst Bürgerbeteiligung dann Architektenwettbewerb

Mit dem Thema Neckarinsel und Platanenallee haben wir in PolitAktiv einen Diskussionskreis eröffnet, der zeitlich wohl weit vor einem Beschluss der Stadt Tübingen liegt und damit eine frühe Beteiligung der Bürger ermöglicht. Die Platanenallee auf der Neckarinsel gehört zum Stadtbild wie auch andere weltberühmte Ansichten von Tübingen. Da die Platanen in den nächsten Jahren ans Ende ihres Lebens kommen und nach und nach wegsterben oder gefällt werden müssen, um keine Gefahr für die Spaziergänger zu sein, stellt sich die Frage, wie die Neckarinsel künftig aussehen soll. Da es das Bild von Tübingen wesentlich beeinflussen wird, sollte dies möglichst im Konsens aller Bürger entschieden werden. Je früher die Bürger beteiligt werden, umso mehr Ideen kommen zusammen, unter denen dann ausgewählt werden kann. Die Bürger sollten die Ziele benennen, die dabei erreicht werden sollen, und die Kriterien bestimmen, an denen die späteren Umsetzungsvorschläge zu messen sind. Das kann meiner Meinung nach ein Architektenwettbewerb nicht leisten. Erst wenn Ziele und Kriterien festliegen und möglichst viele Vorschläge gemacht sind, kann ein Architektenwettbewerb daraus ein - hoffentlich - schönes Ganzes erbringen. Auch wenn dann mehrere gute Vorschläge eingehen, kann man die Bürger nochmals zusammenbitten und die Wunschkombination daraus vorschlagen lassen. Und erst danach sollte der Gemeinderat - immer in Kenntnis dessen, was die Bürger sich wünschen, dennoch aber frei - entscheiden, was gemacht werden soll und die Stadtverwaltung damit beauftragen.

Kurz und knapp - aber wie

PolitAktiv soll unserer Vorstellung nach nicht nur Informationen zur Verfügung stellen und ein Diskussionsforum bieten; wir wollen Meinungsbildung auch aktiv unterstützen. Einer dieser Ansätze ist das Extrahieren und Zusammenfassen wichtiger Informationen und Argumente aus Dokumenten und Diskussionen. Das ist oft meine Aufgabe, und ich möchte kurz erzählen, wie das vonstatten geht.

Sobald klar formuliert ist, was genau zusammengefasst werden soll (Ziele eines Projekts, Diskussionsstand, Planungen bezüglich eines Aspekts), geht's ans (Quer-)Lesen der Dokumente. Was zur Fragestellung passt, wird herauskopiert oder in einer Notiz zusammengefasst. Dabei gilt es manchmal abzuwägen: Ist das tatsächlich ein festes Ziel oder eher ein Wunsch oder eine vage Idee? Liegt einem Ziel (z.B. mehr Laufkundschaft) noch ein anderes (z.B. mehr Umsatz und damit mehr Steuereinnahmen) zugrunde? Was gibt es an impliziten Annahmen?

Außerdem wird ziemlich oft die Wikipedia und/oder die Suchmaschine bemüht. Denn häufig tauchen Fragen oder unbekannte Fachausdrücke auf, die man verstehen sollte, um das Ziel/Problem/Argument zusammenzufassen: Was ist eine Holländische Rampe? Wie funktioniert eine Verkehrssimulation - und wie aufwändig ist sie? Oder auch: Welche Stelle in Tübingen nennt man eigentlich "Germaneneck"?

Am Schluss bleibt eine Liste von Notizen (meist mit Quellenangaben, damit jeder Leser auch die Langfassung nachschlagen kann), die dann zur besseren Übersichtlichkeit in Kategorien eingeteilt wird. Dann werden die Notizen noch knapp, verständlich und sprachlich sauber ausformuliert (meine Notizen sind erstens sprachlich sehr flapsig und zweitens oft kryptisch und nur für mich verständlich) und innerhalb der Kategorie in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht: Zwei Aussagen zum Thema Fahrradfahren sollten nicht von dreien über Abgase, Lärm und Ampeltaktungen getrennt sein.

Jetzt bleibt noch zu sehen, ob sich die neu erstellten Inhalte mit etwas schon Vorhandenem verknüpfen lassen: Gibt es z.B. Planungskriterien, die man den entsprechenden Argumenten zuordnen kann?
Am Ende steht dann das Wichtigste aus einer Textwand (hoffentlich) übersichtlich und verständlich zusammengefasst, damit sich jeder schnell einen Überblick über das Wesentliche verschaffen kann und gleich weiß, wo er zu bestimmten Themen weiterlesen kann. Und ich habe zwangsläufig nebenbei eine ganze Menge über das entsprechende Projekt gelernt.

Leer ausgegangen

Für den diesjährigen Wettbewerb um Ideen für den Einsatz des elektronischen Personalausweises (ePA) war am 31.10. in Berlin die Preisverleihung.

Der erste Preis ging an eine Firma, die Mobilfunkverträge verkauft und diese künftig per ePA abschließen will. Sind Internet-Vertragsabschlüsse wirklich so neuartig? So ganz können wir das nicht nachvollziehen.

Der zweite Preis ging an die Idee des Picosafe, der künftig mit dem ePA geöffnet werden kann. Der dritte Preis an eine Web-gestützte Mitfahrzentrale, die durch den ePA größeres Vertrauen unter den Beteiligten schafft.

Unsere eigene Idee, bei anonymen Abstimmungen in Bürgerbeteiligungen im Netz mit dem ePA nachzuweisen, dass man wirklich am behaupteten Wohnort gemeldet ist, ohne Namen oder Adresse preiszugeben, ging dafür leider leer aus. Man hat uns versichert, dass wir mit unserer Idee unter die besten zehn (von 123) Bewerbern gekommen sind. Das tröstet uns zwar ein wenig - aber nicht wirklich. Wäre es doch ein deutliches Signal gewesen, dass Bürgerbeteiligung wichtig ist.

An unserer Idee war neu, dass Bürgerbeteiligung im Netz mit PolitAktiv grundsätzlich anonym möglich sein soll - auch bei Erstellung von Meinungsbildern zum jeweiligen Thema. Und gleichzeitig soll verhindert werden, dass jemand mehrfach abstimmt. Dazu kann eine moderne Funktion des ePA genutzt werden, die auf die Abfrage nur preisgibt, ob jemand an dem gefragten Wohnort gemeldet ist oder nicht und dabei eine eindeutige ID mitliefert - ohne seinen Namen oder andere persönliche Merkmale mitzuliefern, so dass nicht auf den Inhaber zurückgeschlossen werden kann. Damit könnte man manche Ängste bei Bürgern vor einer Beteiligung bei öffentlichen Projekten beruhigen.

Nun - leider ist es eben nichts geworden. Zum Trost haben wir erfahren, dass wir nächstes Jahr nochmal teilnehmen dürfen. Ob dann Bürgerbeteiligung wichtiger sein wird?

Über den Blog

Polit@ktiv macht Bürger­beteiligung. Online und vor Ort, von der Planung ganzer Prozesse bis zur Durch­führung. Darüber schreiben wir hier. Und wir fragen Experten zu über­geordneten Themen rund um Bürger­beteiligung, Parti­zi­pation und Demo­kratie.

Partnerblogs:

Schwerpunkte

Hier finden Sie Beiträge geordnet nach unseren Themen­schwer­punkten:

Portlets können nun hier hinzugefügt werden! (Dieser Schriftzug verschwindet in der mobilen Ansicht)

Aktuelles bei Polit@ktiv

17. Januar 2018: Das Tagungsprogramm vom Expertenforum Bürgerbeteiligung ist jetzt online.

 



13.12.17, Die Stadt Riedlingen startet ihren Online-Dialog zur Entwicklung des Stadthallenareals

Jetzt anmelden für das Expertenforum Bürgerbeteiligung: Thema in diesem Jahr ist "Die Stadt der Zukunft"

In Stuttgart wird gemeinsam mit der Bürgerschaft über die Sanierung des Westens diskutiert. Jetzt auch hier auf Polit@ktiv