Über den Blog

Polit@ktiv macht Bürger­beteiligung. Online und vor Ort, von der Planung ganzer Prozesse bis zur Durch­führung. Darüber schreiben wir hier. Und wir fragen Experten zu über­geordneten Themen rund um Bürger­beteiligung, Parti­zi­pation und Demo­kratie.

Partnerblogs:

Autoren

Redaktion

Sascha Blättermann
E-Mail schreiben

Letzte Gastartikel

Experten

In unregel­mäßigen Ab­ständen führen wir Inter­views mit Ex­perten. Hier finden Sie eine Aus­wahl neuerer Interv­iews:

Alle Inter­views in unserem Blog finden Sie auf der ent­sprechen­den Themen­seite.

Zurück

Wissen schafft Transparenz

Information als wichtiges Gut im Beteiligungsprozess: Teil 2 unserer Serie über „Bürgerbeteiligung im Netz“.

Das Internet ist aus der modernen Kommunikation kaum noch wegzudenken. Auch Kommunen entdecken zunehmend die Möglichkeiten des Netzes, um auf sich und ihre Angebote aufmerksam zu machen: Ob kommunale Apps mit Veranstaltungskalender und Stadtplan oder Onlinedienste auf der Stadthomepage mit der Möglichkeit, Anträge online auszufüllen oder Termine im Rathaus über das Internet zu vereinbaren.

In einer großen Serie untersuchen wir die neuen Möglichkeiten, die Bürgerbeteiligung uns heute bietet. Wir sprechen mit Experten, analysieren die Stärken und Schwächen von Online-Bürgerbeteiligung und werfen einen Blick auf Beteiligungen, in denen das Netz bereits eine Rolle spielte. In diesem Post: Welche Rolle spielen Informationen im Beteiligungsprozess? Und wie kann das Internet hier mitspielen?

 

1. Bereitstellung von Informationen im Netz

Die Vorteile des Internets sind bei der Bereitstellung von Informationen vielfältig: Zunächst ist das Internet eine Möglichkeit, Bürgern umfassende Informationen über ein Beteiligungsprojekt zugänglich zu machen: Kommunen können ganz einfach eine Sammlung von Presseartikeln zu einem Projekt online stellen, mit Videos von Veranstaltungen können Prozesse dokumentiert werden, Veröffentlichungen und Beschlüsse können schnell und einfach an einem Ort gesammelt und dem Bürger zugänglich gemacht werden.

Damit wird das Netz zur Dokumentation genutzt, als Archiv jederzeit zugänglich und ist wertvolle Anlaufstelle, um sich über ein Projekt zu informieren. Der praktische Nutzen geht dabei über den reinen Komfort hinaus: Warum sollte man den Bebauungsplan ausschließlich zu festen Zeiten im Rathaus auslegen, wenn man Pläne auch jederzeit im Internet abrufen kann? Sind an einem „virtuellen Ort“ alle wichtigen Informationen gesammelt, entsteht der Eindruck einer transparenten Beteiligung.

Dabei dienen Informationen wie ein Bebauungsplan, die Haushaltsfinanzierung oder bereits getroffene Entscheidungen im Gemeinderat einerseits der reinen Wissensvermittlung: Der Bürger wird informiert. Andererseits aber kann er sich durch das bereitgestellte Wissen eine differenzierte Meinung bilden und dadurch mit seinen Argumenten stichhaltig am Beteiligungsprozess partizipieren.

 

2. Nutzung interaktiver Möglichkeiten

Darüber hinaus bietet das Netz aber noch eine weitere Komponente: Natürlich können Gutachten oder Beschlüsse zum Download bereitgestellt werden. Daneben bietet das Netz aber neue Formen der Interaktion – ein paar Beispiele:

  • Beteiligte können sich per Video zu Wort melden: Ob das Grußwort des Bürgermeisters, Livestreaming der Bürgerversammlung oder aber Erklärung von Sachverhalten per Animation: Wissen kann direkter, anschaulicher und in der Sprache der Bürger vermittelt werden.
  • Beteiligte können sich im Livechat Fragen der Bürger stellen: Fragen können dadurch direkt beantwortet werden, die Bürgerversammlung kann interaktiv ergänzt werden.
  • Interaktive Karten bieten die Möglichkeiten, Sachverhalte zu illustrieren und durch weitere Elemente zu ergänzen: Der neue Straßenverlauf kann in verschiedenen Varianten dargestellt werden, Bürger können durch Markierungen auf Probleme hinweisen.

Durch die Interaktionsmöglichkeiten wird die reine Information zur Einladung, sich zu beteiligen und eigene Ideen und Anregungen in den Prozess einzubringen. Die Motivation, sich zu beteiligen, steigt, weil die Barriere gesenkt wird.

 

3. Barrieren der Online-Beteiligung

Doch die Barrieren einer Online-Beteiligung sind immer noch groß genug – nicht nur bei Bürgern, auch bei Kommunen. Manche Bürger wollen sich nicht im Internet beteiligen, wieder andere haben kein Internet. Manche wissen gar nicht, dass man sich überhaupt im Netz beteiligen kann oder wo sie dort ihre Meinung kund tun können. Deswegen ist es sinnvoll, den Bebauungsplan auch weiterhin im Rathaus auszulegen, verbunden mit Informationen, wo und wie man sich digital beteiligen kann: Ob als Hinweis auf den Bürgerversammlungen, Aushängen im Rathaus oder Information in der Zeitung.

Aber auch das Handeln von Kommunen wird durch Ängste und Unsicherheiten bestimmt: Beteiligen sich wirklich Menschen im Internet? Wie federn wir einen Shitstorm ab? Gibt es im Rathaus die notwendigen personellen Ressourcen, wird weiteres Know-How benötigt?

Beteiligungsprozesse wie in Blaubeuren zeigen, dass sich Menschen aktiv im Internet beteiligen. Auf der Suche nach Strategien gegen den demographischen Wandel hatte man in Blaubeuren auf Bürgerversammlungen und im Netz Ideen gesucht, die Zukunft von Blaubeurens Dörfern zu sichern. Dafür hatte man umfassende Informationen ins Netz gestellt.

Aber nicht nur zu Beginn des Prozesses, sondern auch während der Ideensuche in spezifischen Arbeitskreisen informierte die Stadt via Internet über den Stand der Beteiligung. Mit Hilfe der aktivierenden Moderation von Polit@ktiv war die Stadt auf einer Höhe mit den Bürgern. Ein Shitstorm kam so gar nicht erst auf – und die Motivation der Bürger, am Ball zu bleiben, sich weiter zu beteiligen, Ideen zu verfolgen, wurde aktiv unterstützt.

 

4. Das hohe Gut der Information

Informationen haben im Beteiligungsprozess also mehrere Funktionen:

  • Sie informieren an sich den Bürger,
  • sie regen ihn zur Meinungsbildung an,
  • sie leiten ihn durch den Beteiligungsprozess
  • und sichern durch regelmäßige Updates, dass die Motivation, sich zu beteiligen bei den Bürgern erhalten bleibt

Das Internet schafft die Möglichkeit, alle diese Funktionen an einem Ort zu bündeln und via Interaktion und Diskussionskreis die Beteiligung zu fördern. Es schafft den Komfort, an einer immer gleichen Anlaufstelle einen Prozess zu verfolgen, sich jederzeit zu beteiligen und Vergangenes nachzuschlagen. Es fördert dadurch die Transparenz im Beteiligungsprozess.

Damit dieser Mehrwert sich auch auszahlen kann, müssen allerdings die Bürger auch offline zum Mitmachen im Netz eingeladen werden. Zum Beispiel über Flyer, die an alle Haushalte verteilt werden – aber eben auch bei Veranstaltungen, die offline und online zu verbinden wissen.

 

Weiterführende Links:

Bildnachweis: Erfolgreich im Internet von Florian Siemeth via FlickR, bezogen am 04.09.2015 (CC-BY 2.0)
Kontakt zum Autor aufnehmen
 

Über den Blog

Polit@ktiv macht Bürger­beteiligung. Online und vor Ort, von der Planung ganzer Prozesse bis zur Durch­führung. Darüber schreiben wir hier. Und wir fragen Experten zu über­geordneten Themen rund um Bürger­beteiligung, Parti­zi­pation und Demo­kratie.

Partnerblogs:

Schwerpunkte

Hier finden Sie Beiträge geordnet nach unseren Themen­schwer­punkten:

Portlets können nun hier hinzugefügt werden! (Dieser Schriftzug verschwindet in der mobilen Ansicht)

Aktuelles bei Polit@ktiv

16.05.2019: Nachdem die "Gmuender Charta der Gemeinsamkeiten" am 08.05.19 zur Vorbereitung in den Verwaltungsausschuss des Gemeinderats gegangen und am 16.05.19 vom Gemeinderat verabschiedet worden ist, soll die kommunale Charta schließlich pünktlich zum 70-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes im Rahmen eines feierlichen Festaktes präsentiert werden. Einen Überblick über das Beteiligungsprojekt finden Sie unter

www.gmuendercharta.de

 


02.05.2019: Der Gemeinderatsbeschluss zum Raumprogramm des Kombibads hat die Ergebnisse der zweiten Planungswerkstatt mit großer Mehrheit bestätigt, somit hat er eine Bad-Variante beschlossen, die bereits in der zweiten Planungswerkstatt Ende März von engagierten Bürgern favorisiert und abgesegnet worden war. Näheres dazu finden Sie unter

www.metzingerbaeder.de


11.02.19, Aus über 1.000 Einzelideen wird die "Planungsidee Ganzjahresbad" in Metzingen. Ein erster Bericht von der Planungswerkstatt und ein Überblick über das Beteiligungsprojekt unter www.metzingerbaeder.de

25. Januar 2019, Die Anmeldung für das Expertenforum Bürgerbeteiligung am 09. April 2019 sind nun möglich! Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie das Anmeldeformular finden Sie auf der Veranstaltungshomepage


06.12.18, Pünktlich zum Nikolaus sammeln das PA-Team Beiträge zur Charta der Gemeinsamkeiten auf dem Schwäbisch Gmünder Weihnachtsmarkt ein. 

03.10.18, Bürgerdialog in Schwäbisch Gmünd zur Charta der Gemeinsamkeiten gestartet

08. August 2018: Wir wachsen und suchen studentische Mitarbeiter. Auf unserer Teamseite gibt es die aktuelle Stellenausschreibung.

07. August 2018: Wir stehen jetzt auch regelmäßig vor der Kamera - beispielsweise beim Bürgerdialog zu den Metzinger Bädern. Schauen Sie doch mal rein und lernen Sie unsere Mitarbeiter im Video kennen.

03. Juli 2018: Das Berlin-Institut für Partizipation hat ein Interview mit dem Vorstand der Tübinger Integrata-Stiftung, in dem dieser Polit@ktiv vorstellt. Den Beitrag finden Sie in unserer Presseschau.

11. Juni 2018: Vor dem DEMO-Kommunalkongress veröffentlicht das Kommunalfachblatt DEMO einen Fachartikel von Michael Mörike über die Bürgerbeteiligung der Zukunft. Den Beitrag finden Sie in unserer aktualisierten Presseschau.

04. Juni 2018: Wie können Beteiligungsprozesse noch mehr Bürger erreichen? Ideen im Blog-Gastbeitrag von Julian Merkel.