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Wenn Senioren und Jugendliche mit einer Stimme sprechen

Die meisten Entscheider in Mecklenburg-Vorpommern wissen nicht, wie wertvoll Jugendbeteiligung ist - und die wenigen Jugendlichen leben verteilt auf großer Fläche. Jetzt sprechen Senioren und Jugendliche mit einer Stimme. Ein Gastbeitrag des Landesjugendrings Mecklenburg-Vorpommern.

Von Yvonne Griep

Kinder- und Jugendbeteiligung ist in Mecklenburg-Vorpommern sicher nicht anders als anderswo: In erster Linie ist sie eine Frage der Haltung und die ist abhängig von Personen. So gibt es Orte und Einrichtungen, in denen die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen Alltag ist, in anderen ist man auf dem Weg, Kinder und Jugendliche mehr teilhaben und mitwirken zu lassen. Doch den meisten Entscheidenden und Machthabenden ist auch in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht klar, wozu es gut sein soll, ein Teil ihrer Macht abzugeben und junge Menschen (mit-)entscheiden zu lassen.

Zu oft kann man so überraschte hören Sätze wie: „Ich wusste gar nicht, dass Jugendliche sich so gut vorbereiten und reden können.“ Dabei ist es gerade in einem solchen Bundesland entscheidend, auch die junge Generation mit ihren Bedürfnissen und ihrem Engagement zu Wort kommen zu lassen, das lange mit Abwanderung zu kämpfen hatte und sich auch heute noch mit schwierigen demografischen Prognosen konfrontiert sieht. Kinder und Jugendliche sind nicht nur die Zukunft, sondern ein wichtiger Teil der heutigen Gesellschaft. Wenn sie heute ernst genommen werden und erleben, dass ihr Engagement und ihre Ideen ihr Lebensumfeld, ihren Ort oder sogar ihre Region mit verändern, werden sich viele von ihnen auch später für diese Region einsetzen, sie mitgestalten und bei bevorstehenden Herausforderungen unterstützen.

Wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche sowohl bei kommunal-, als auch bei landespolitischen Themen zu beteiligen, betonen in Mecklenburg-Vorpommern seit einigen Jahren auch die Vertreter_innen des Altenparlaments. 2017 trafen sie sich bereits zum zweiten Mal mit Jugendlichen beim landesweiten Generationendialog. Bei diesem Kooperationsprojekt des Altenpalaments, des Landesjugendrings und des Landtages erarbeiten Jung und Alt gemeinsam Forderungen und diskutierten diese mit Abgeordneten des Landtages. Dabei wurde deutlich, dass Jugendliche und Senioren in dem dünn besiedelten Flächenland viele gemeinsame Probleme haben: Fehlende Nahverkehrsstrukturen, vielerorts schlechte Internetverbindungen oder kostenfrei zugängliche Freizeitmöglichkeiten (wie zum Beispiel Generationenspielplätze). Mit einer Stimme zu sprechen und zusammen für gemeinsame Forderungen einzutreten, ist für beide Generationen noch eine recht neue Idee, die jedoch immer mehr Anhänger findet und sicher für einige Themen Potential hat.

 

Wie wenige Jugendliche auf großer Fläche zusammenarbeiten

 

In Mecklenburg-Vorpommern haben junge Menschen mit dem Umstand zu kämpfen, dass es hier auf die Fläche verteilt so wenige von ihnen gibt und ein gemeinsames Eintreten für Ziele und Forderungen, bei viel zu oft schlechter Internetverbindung und einem mehr als grobmaschigen Nahverkehrsnetz, besonders schwierig ist. Trotzdem gibt es einige Projekte bei denen sich viele Jugendliche regelmäßig treffen, um unsere Gesellschaft nach ihren Ideen mitzugestalten. Dazu gehören unter anderem selbstverwaltete Jugendprojekte wie der Demokratiebahnhof Ankam. Mit Unterstützung von Fachkräften vor Ort nutzen und pflegen Jugendliche das Bahnhofsgebäude nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen. Jugendliche finden hier den Raum dazu, ihre Angebote und Ideen auszuprobieren. Möglich ist dies auch durch finanzielle Mittel des Bundes, die dem Projekt kein Korsett aus komplizierten Förderstrukturen aufzwängen.

Zu erfolgreichen Beteiligungsprojekten gehören in Mecklenburg-Vorpommern auch die landesweite Veranstaltung „Jugend im Landtag“ oder ähnliche Projekte auf Kreisebene. Bei diesen maßgeblich durch die Zielgruppe selbst mitorganisierten Veranstaltungen treffen sich Jugendliche aus verschiedenen Regionen, diskutieren ihre Themen und formulieren gemeinsam Forderungen an die Politik. Daraus entstehen auch Gruppen, die an für sie besonders wichtigen Ideen weiterarbeiten und dabei von Fachkräften unterstützt werden. Die notwendige professionelle Unterstützung erhalten die Jugendlichen oft durch die Mitarbeiter_innen der Beteiligungswerkstatt.

Seit dem Jahr 2001 fördert das Land Mecklenburg-Vorpommern die „Beteiligungskampagne“. Es gibt seit 2001 fünf Mitarbeiter_innen, die die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen landesweit in ihrem Lebensumfeld unterstützen, begleiten, moderieren, mitorganisieren – egal ob in der Schule, im Verein oder Verband, im Ort, in der Region oder im Bundesland. Anfragen dazu kommen sowohl von Kindern und Jugendlichen selbst, als auch von Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit, sowie (deutlich seltener) von Mitarbeiter_innen der Verwaltung oder Politiker_innen der kommunalen oder Landesebene selbst. Nachhaltig sind diese Beteiligungsprojekte und -prozesse insbesondere dann, wenn sie an Strukturen vor Ort anknüpfen können, die die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen erfolgreich weiterbegleiten. Denn für junge Menschen ist es besonders schwer, einfordern, mitreden und mitbestimmen zu können. Sie brauchen Unterstützung, um Strukturen zu durchschauen, Amtssprache zu übersetzen, Beschlüsse zu verstehen, eine eigene und gemeinsame Arbeitsweise zu organisieren und oft auch, dabei ernst genommen zu werden. Leider fehlen in vielen Regionen genau diese notwendigen Strukturen, die angestoßene Projekte zur Erfolg führen und dauerhaft weiterbegleiten können.

 

Jugendräte und Jugendparlamente als formelle Beteiligung

 

In den letzten Jahren entstehen in Mecklenburg-Vorpommern zudem immer mehr formelle Beteiligungsformate für Kinder und Jugendliche wie Jugendräte und Jugendparlamente. Wie sie funktionieren, welche Rechte und Ressourcen sie haben und wie sie betreut oder unterstützt werden, ist dabei sehr unterschiedlich. Für den Erfolg der Beteiligungsgremien ist entscheidend, dass der politische Wille da ist, eine Beteiligungsstruktur für Kinder- und Jugendliche zuzulassen, mit Rechten auszustatten und die professionelle Begleitung sicherzustellen. Macht abgeben können eben nur die, die tatsächlich auch die Macht dazu haben.

Wie man Jugendliche wirksam unterstützen kann, kann man lernen – seit 2017 auch erstmalig direkt in MV. Die vom Land und dem Deutschen Kinderhilfswerk geförderte „Ausbildung zur Moderatorin/zum Moderator für Kinder- und Jugendbeteiligung“ wird vom Landesjugendring MV getragen und vermittelt den Teilnehmer_innen wichtige Methoden und Kenntnisse für Beteiligungsprozesse mit jungen Leuten. Das sind aber auch die Grundlagen, die eigentlich in allen Prozessen wichtig sind, an denen sich Bürger_innen beteiligen können. Wer selbst beteiligt wurde und erlebt hat, dass die Übernahme von Verantwortung auch Spaß machen kann, ist auch offener dafür, selbst teilhaben zu lassen.

Welches Format oder welche Methode ist jedoch am besten geeignet, Kinder und Jugendliche für eine Beteiligung an Kommunalpolitik zu gewinnen und den Prozess dann auch durchzuhalten und erfolgreich zu gestalten. Und auch hier haben wir in Mecklenburg-Vorpommern, vermutlich nicht anders als in anderen Bundesländern, kein Patentrezept: Erfahrungen, Ressourcen und handelnde Personen sind immer andere, beeinflussen allerdings stark, wie Kinder und Jugendliche vor Ort angesprochen, interessiert und einbezogen werden können. Es werden nie alle Kinder und Jugendliche erreicht und für alle Themen einer Gemeindevertretung gewonnen werden können. Das Gleiche gilt aber auch für andere Altersgruppen. Mit einem Mix aus formellen Beteiligungsstrukturen und anderen, kürzeren und kurzweiligeren Beteiligungsformaten sind Land und Kommunen gut beraten.

 

Über Yvonne Griep

Yvonne Griep ist Landeskoordinatorin der Beteiligungswerkstatt des Landesjugendrings Mecklenburg-Vorpommern. Mit ihrer Arbeit möchte sie die Jugendarbeit in Mecklenburg-Vorpommern mitgestalten, absichern und weiterentwickeln.

 

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Bildnachweis: Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern
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