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Demographischer Wandel: „Viele Kommunen machen sich echte Gedanken!“

Susanne Schwarz von der Sozialstation Esslingen über den demographischen Wandel in der Pflege, wie Kommunen sich vorbereiten und warum Senioren das Netz entdecken sollten. Teil 2 der Serie #StadtderZukunft

Frau Schwarz, was bedeutet demographischer Wandel für Sie ganz konkret in Ihrem Arbeitsalltag bei der Sozialstation Esslingen?
Grundsätzlich: Es gibt immer mehr ältere Leute, auch wenn das natürlich erst einmal nicht bedeutet, dass alle älteren Menschen auch hilfebedürftig sind. Dennoch nimmt gerade die Zahl der hochaltrigen Menschen zu und da haben wir den größten Bedarf an Hilfsleistungen. Wir merken aber auch eine Veränderung in den familiären Strukturen: Es gibt weniger Angehörige, die sich kümmern oder kümmern können. Das kann daran liegen, dass sie weit weg wohnen, aber manchmal sind auch dreißig Kilometer schon zu weit, um mal kurz zu helfen. Oft sind die Angehörigen auch berufstätig und haben Kinder, die schulpflichtig sind. Auch wenn wir als Sozialstation Esslingen e.V. vergleichsweise gut da stehen, gibt es insgesamt einen konkreten Fachkräftemangel. Die Anfragen von Kunden nehmen zu. Übrigens braucht nicht nur der ambulante Bereich Fachkräfte, sondern auch Krankenhäuser und Pflegeheime.

Wann fängt Altsein eigentlich für Sie an?
Das ist eine ganz schwierige Frage und ich kann sie so einfach gar nicht beantworten. Sie könnten jetzt das gesetzliche Renteneintrittsalter als Schwelle nehmen, aber es gibt Menschen, die müssen oder wollen vorher in den Ruhestand geben und andere, die können oder müssen noch weiter arbeiten. Also eignet sich das Renteneintrittsalter nicht wirklich. Wir erleben im Alltag Leute, die bereits in jungen Jahren pflegebedürftig werden, und es gibt Menschen, die sind im höheren kalendarischen Alter noch fit, manche davon wollen sich dennoch ein bisschen unterstützen lassen. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, da Menschen als alt zu bezeichnen. Im Prinzip spielt das kalendarische Alter wahrscheinlich keine so große Rolle, sondern eher der Gesundheitszustand: Kann ich meinen Alltag noch selbständig meistern, wie weit bin ich noch beweglich, wie komme ich durch den Tag? Habe ich Schmerzen, habe ich gesundheitliche Einschränkungen und wie viel Energie verspüre ich?

Welche Bedürfnisse haben ältere Menschen, wenn sie zu Ihnen kommen?
Zu uns kommen meist Menschen mit konkreten Bedürfnissen: Manche möchten, dass wir ihnen einmal in der Woche die Wohnung putzen, andere brauchen mehr hauswirtschaftliche Versorgung, weil sie die gesamte Arbeit im eigenen Haushalt nicht mehr schaffen oder sie möchten Unterstützung bei der Körperpflege. Wir beraten Menschen, helfen ihnen natürlich bei der Körperpflege, übernehmen die vom Arzt verordnete Behandlungspflege, leisten umfassend hauswirtschaftliche Hilfe, wir bringen ihnen Essen auf Rädern, vermitteln einen Hausnotruf und bieten kostenlos eine Gruppe für pflegende Angehörige an. Manchmal kommen Menschen aber auch, weil sie Redebedarf haben, sich informieren und vorsorgen wollen oder wissen möchten, wie die Pflegeversicherung funktioniert.

Der demographische Wandel ist für Sie also ein echter Geldsegen.
Wir sind ein eingetragener Verein und dürfen keine Gewinne machen. Der Anteil derjenigen, die Hilfe brauchen, wächst, aber der Markt an Fachkräften ist leer. Die Preise, die wir verlangen, sind zum großen Teil vorgegeben, so dass ich nicht von Geldsegen reden kann. Ein Geldsegen sind vielleicht die sogenannten „Best agers“ und kaufkräftigen Senioren, die Ihr Geld aber hauptsächlich für Reisen, Kultur, Wellness und andere Annehmlichkeiten ausgeben.

 

„Die Anteil derjenigen, die Hilfe brauchen, wächst.
Aber der demographische Wandel ist für uns kein Geldsegen.“

 

Was sagen Sie den Menschen, die zu Ihnen kommen?
Ich versuche herauszufinden, wo Menschen Bedürfnisse haben, wo sie Unterstützung brauchen und was sie noch gut können. Es geht aber auch darum, Menschen zu ermutigen, etwas Neues auszuprobieren: Würde es mir als Angehöriger nicht helfen, auch andere Angehörige in einer Gruppe kennenzulernen und sich auszutauschen? Wäre es eine Idee, einen Hausnotruf einzurichten? Kann Tagespflege eine Option sein? Auch wenn ich jahrelang meinen Haushalt selber geschafft habe, kann ich mich jetzt unterstützen lassen. Wenn ich einen Pflegedienst in Anspruch nehme, binde ich mich dadurch nicht ewig an ihn, ich kann die Hilfen auch verändern oder wieder absagen. Auch das kann Mut machen, Hilfen einmal auszuprobieren.

Glauben Sie, dass ältere Menschen spezielle Angebote brauchen oder sollten Angebote nicht immer auch generationenübergreifend sein?
Bei uns bekommt natürlich erst einmal jeder Hilfe und gerne laden wir auch jüngere Leute ein, zu unseren Veranstaltungen zu kommen. Manche Termine finden allerdings nachmittags statt, weil viele Ältere abends nicht mehr rausgehen wollen oder einen Angehörigen pflegen. Gewisse Themen, zum Beispiel „Pflegebedürftigkeit“ interessiert die Menschen meist erst dann, wenn sie selbst - dann meist im fortgeschrittenen Alter - oder ihre Angehörigen betroffen sind. Freizeitangebote für Senioren interessieren jüngere Menschen oft nicht so, weil Musikstil, Lebensgewohnheiten oder Interessen variieren.

Welche Bedürfnisse haben die Menschen, die heute noch nicht alt sind? Wie müssen die sich vorbereiten?
Jüngere Leute sollten sich auf jeden Fall mit dem Thema Pflege und Pflegebedürftigkeit auseinandersetzen. Ich sage immer: Leben Sie, genießen Sie Ihr Leben, denn das Leben kann sich jederzeit schlagartig oder auch schleppend verändern. Überlegen Sie sich doch einfach mal für sich, wo und wie Sie sich gerne helfen lassen würden, wenn Sie alt oder pflegebedürftig sind. Fragen Sie sich, was die Menschen, die in Ihrem Angehörigenkreis später nach Ihnen schauen werden, von Ihnen eigentlich wissen sollten. Sprechen Sie über eine Patientenverfügung mit anderen Vertrauten und denken Sie über eine Vollmacht nach. Informieren Sie sich über Stellen, die Ihnen helfen, gerade dann, wenn es um finanzielle Fragen geht. Sonst kann es später heftig werden, weil Sie in kürzester Zeit sehr viel auf die Beine stellen müssen. Reden Sie mit Ihren Nächsten, wie Sie einmal bei Pflegebedürftigkeit versorgt sein wollen. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein anderer schon automatisch weiß, was Sie gerne möchten. Und: Überlegen Sie rechtzeitig, ob Ihr Wohnumfeld geeignet ist, um dort im Alter wohnen zu können oder ob es nicht besser ist, rechtzeitig in einer besser geeigneten Wohnung neu Fuß zu fassen. Auch gibt es inzwischen vielfältige Projekte, zum Beispiel zum generationenübergreifenden Wohnen oder zum WG-Leben im Alter. Wer kann, kann auch finanzielle Vorsorge treffen.

Wenn junge Menschen sich nicht mit dem Thema Pflege auseinandersetzen – heisst das, dass sie sich auch nicht um die Angehörigen kümmern?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Viele Angehörige sind sehr stark eingebunden in die Familie. Aber es ist eben so, dass sie, wenn sie woanders wohnen, aber genauso, wenn sie zwar in der Nähe wohnen, aber zur Arbeit müssen und womöglich dazu noch einen weiten Weg haben, eben nicht noch den Angehörigen pflegen können. Die Familie kann da aber trotzdem wichtig bleiben und das Sorgen ist weiterhin da, aber die Hilfen können nicht immer konkret geleistet werden, sondern eher im organisatorischen Bereich. In meiner langjährigen beruflichen Erfahrung habe ich oft erfahren, dass Angehörige, die ein gutes Verhältnis zu den Eltern oder anderen Verwandten hatten, sich auch, wenn sie weiter weg wohnen, kümmern und sorgen. Da, wo das Verhältnis schon immer schwierig war, ist weniger Kontakt da oder die Begegnungen sind angespannt und finden aus reinem Pflichtbewusstsein statt.

 

„Es darf nicht sein, dass die jüngere Generation ihr Leben nicht leben darf,
weil sie sich permanent um ein pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern muss.“

 

Müssten ältere Menschen auf dem Dorf nicht mit den Jungen in die Stadt ziehen, weil sie auf dem Dorf nicht ausreichend versorgt werden können?
Das kann man so generell auch nicht sagen. In manchen kleineren Gemeinden gibt es gute Strukturen, weil sich Kommunen auf den Weg gemacht haben und beispielsweise in genossenschaftlichen Modellen versuchen, sich dem demographischen Wandel entgegenzustellen und Nachbarschaften oft noch intakt sind. Es kommt sicherlich auf die einzelne Gemeinde und die einzelne Situation an - auch, was Versorgung durch Ärzte, Apotheken und Pflegedienste betrifft. Bedenken Sie auch, dass ambulante Dienste in ländlichen Strukturen ganz anders aufgestellt sind, weil sie zum Beispiel viel längere Fahrstrecken und -zeiten haben. Aber wie gesagt: Ich sehe viele kleinere Kommunen, die sich wirklich Gedanken über das Thema machen.

Was fehlt denn den jungen Menschen auf dem Dorf?
Das müsste man die jungen Menschen dort fragen. Die, die fest eingebunden sind in Gemeinschaften und das Vereinsleben, wollen ja gar nicht unbedingt weg. Anderen ist manchmal ein Dorf zu klein und sie suchen städtische Strukturen. Viel hängt aber bestimmt von beruflichen Perspektiven ab. Hat jemand aufgrund von Studium oder Ausbildung einmal in der Stadt gelebt, gewöhnt er sich manchmal an die dortige Infrastruktur und hat einen neuen Freundeskreis und da fällt es schwer, wieder zurück aufs Land zu ziehen.

Nun ist es aber Teil eines Generationenvertrages, dass Jüngere sich um Ältere kümmern: Haben junge Menschen auch eine Verantwortung dazu?
Wenn es darum geht, sich um Ältere zu sorgen und sich um sie zu kümmern, dann sehe ich das schon. Ganz raus aus der Verantwortung ist man in der Regel als Angehöriger nicht. Aber auf der anderen Seite gibt es viele Einzelschicksale, bei denen ich sehr gut verstehen kann, dass junge Menschen ihre Angehörigen nicht pflegen wollen oder sogar ganz den Abstand suchen. Dann sollte das aber kommuniziert werden, damit professionelle Strukturen installiert werden.

An der Pflege zerbricht das familiäre Gefüge?
Ich würde es nicht zerbrechen nennen. Aber bei Menschen mit Demenz helfen zum Beispiel unsere gelernten Verhaltensweisen nicht mehr weiter: Einem dementen Menschen können Sie nicht einfach sagen, dass er mit einem Verhalten aufhören soll, das funktioniert nicht. Wenn man ihm vor einer Minute gesagt hat, dass er die Wohnung bitte nicht verlassen soll, kann er das in der nächsten Minute dennoch tun. Solche Lebenslagen können pflegende Angehörige dauerhaft aber alleine gar nicht bewältigen, ohne selber krank zu werden. Da brauchen sie Hilfe. Je früher Angehörige Hilfe annehmen und sich auch um sich selber sorgen, umso länger halten familiäre Gebilde eine Pflegesituation aus. Es darf nicht sein, dass die jüngere Generation ihr Leben nicht leben darf, weil sie sich permanent um ein pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern muss.

Wäre es dann nicht gut, wenn wir auf den Dörfern wieder eine stärkere heterogene Altersstruktur haben? Was kann denn Ihrer Meinung nach eine Kommune tun, damit sie für jüngere Menschen wieder attraktiv wird?
Die Infrastruktur muss stimmen, sowohl für Familien mit kleinen als auch mit heranwachsenden Kinder bzw. Jugendlichen, es müssen Schulen, Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze vorhanden sein und auch der ÖPNV muss ausgebaut sein. Auch ein schnelles Internet ist sicherlich eine Voraussetzung. Ansonsten muss auch bei diesem Thema am besten die Jugend befragt werden.

 

„Das Internet kann durchaus Einsamkeit verkleinern,
wenn es auch nie einen persönlichen Kontakt ersetzen kann.“

 

Wie kann denn eine Kommune sich am Besten dem demographischen Wandel stellen?
Eine Kommune muss Beratungsangebote schaffen bzw. vorhandene fördern und entsprechende professionelle Strukturen vorweisen. In Esslingen starten wir zum Beispiel regelmäßig große Aktionstage oder sogar -wochen, in denen wir Menschen über Demenz informieren und sie darauf aufmerksam machen, aufeinander aufzupassen und Hilfen in Anspruch zu nehmen. Hier kann eine Kommune sehr gut informieren. Auch die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg unterstützt Kommunen beim Aufbau solcher Strukturen. Ob jemand zuhause wohnen bleiben kann, ist auch immer sehr stark vom Wohnumfeld abhängig, denn der beste zwischenmenschliche Kontakt kann auch dann nichts mehr ausrichten, wenn das Wohnen aufgrund von Treppen, zu engen Fluren und nicht barrierefreien Bädern unmöglich geworden ist. Da kommen der Wohnungsbau und die Stadtplanung ins Spiel … Die gesamte Infrastruktur muss stimmen. Eine Kommune kann auch neue Wohnprojekte anstoßen oder begleiten, Ehrenamtliche gewinnen, stärken und wertschätzen und Pflegedienste unterstützen.

Was meinen Sie mit aufeinander aufpassen?
Schauen Sie nach Ihrem Nachbarn: Geht der Rollladen nach oben oder ist er die ganze Zeit unten? Sprechen Sie mit der älteren Dame im Haus und machen Sie ein Zeichen mit ihr aus, falls sie Hilfe braucht: Sie kann beispielsweise jeden Morgen eine rote Kanne ans Fenster stellen und wenn die Kanne dort nicht mehr steht, wissen Sie, dass etwas nicht stimmt. Bieten Sie alten Menschen in der Nachbarschaft an, sie mitzunehmen, vielleicht für sie einzukaufen oder sie zum Arzt zu begleiten. Oder muss der alte Nachbar ernsthaft jede zweite Woche die Kehrwoche machen?
Vielleicht könnten auch mehrere, die alleine, aber im selben Quartier leben, sich zusammenschließen und einen Teil ihrer freien Zeit miteinander verbringen, anstatt einsam vor dem Fernseher zu sitzen. Das erfordert aber ein mutiges Aufeinanderzugehen!

Alter bedeutet also Einsamkeit?
Nicht zwangsläufig, aber ja, das kann so sein, wenn die Angehörigen sehr weit weg wohnen, es vielleicht auch keine mehr gibt und Freunde verstorben, weggezogen oder dement geworden sind. Es gibt aber auch viele ältere Menschen, die allein sein wollen und die Ruhe nicht als Einsamkeit werten.

Was kann eine Kommune noch tun?
Sie kann auch das ehrenamtliche Engagement fördern und Strukturen verbessern für Menschen, die nicht mehr gut hören oder sehen, in dem man beispielsweise die Ampeln mit Hilfstechnik ausstattet oder viele Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum anbietet. Das Thema demographischer Wandel ist damit auch ein Thema der Stadtentwicklung: Wenn ich nicht mehr ganz mobil bin, ist es schwer, in den Bus zu steigen. Oder denken Sie an die Wohnstrukturen: Vielleicht wohnen Sie in Ihrem Traumhaus, aber ist dieses Haus auch pflegegerecht? Kann ich in diesem Haus eigentlich heute noch weiter wohnen oder wäre es besser, mir schon mit 60 oder 65 eine neue Wohnung zu suchen? Dann muss es aber auch attraktiven und vor allem bezahlbaren Wohnraum geben. Der soziale Wohnungsbau ist praktisch eingestellt worden, das ist ein Problem.

Wo liegt eigentlich heute der Unterschied zwischen einem Alters- und einem Pflegeheim?
Inzwischen reden wir fast nur noch von Pflegeheimen, in denen Menschen leben, die ihre allerletzte Lebensphase dort erleben. Das klassische Altersheim gibt es so fast nicht mehr. Dafür gibt es heute das Betreute Wohnen, das aber nicht unbedingt das verspricht, was man sich gemeinhin unter „betreut“ vorstellt. Da muss man genau hinsehen. Sicher ist es gut, wenn der Grundsatz ambulant vor stationär dazu dient, dass Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und möglichst selbstbestimmt leben können, aber es kann der Punkt kommen, wo es zuhause nicht mehr geht. Und da kann ein Pflegeheim ein Segen sein.

 

 „Leben Sie! Genießen Sie Ihr Leben!
Es kann sich jederzeit schlagartig oder auch schleppend verändern.“

 

Wie sehen Sie denn die Möglichkeiten des Internets an, gerade für ältere Menschen? Hier warten doch viele Informationen auf sie und Foren sind zum Beispiel eine Möglichkeit, sich vielleicht weniger einsam zu fühlen?
Ich sehe auch, dass ältere Menschen das Netz verstärkt nutzen, auch wenn es immer noch viele gibt, die sich aktiv ausklinken. Ich finde es gut, wenn sich jemand mit 70 Jahren noch an die Technik wagt, weil man sonst einfach den Anschluss verpasst. Denken Sie nur an virtuelle Arztsprechstunden oder das Übermitteln von medizinischen Werten via Internet, das in der Zukunft sicherlich kommen wird. Das Internet kann ja auch Nähe herstellen, z.B. wenn man mit Freunden oder den Enkelkindern skypt. Auch Spiele und Gedächtnistraining sind über das Internet möglich, Essen kann bestellt werden usw. Es kann durchaus Einsamkeit verkleinern, wenn es auch nie einen persönlichen Kontakt ersetzen kann.

Das Netz ist also gerade für alte Menschen ein Segen?
Ja. Ich sehe das schon so. Allerdings muss eine gewisse Technikaffinität gegeben sein und man muss jemand haben, der bei Problemen rasch hilft. Je früher sich jemand mit den Möglichkeiten des Netzes auseinandersetzt, umso besser kann er die Vorteile nutzen. Ich kenne zum Beispiel einen erblindeten Menschen, der sich von einem Smartphone unterstützen lässt: Das Ortungssystem sagt ihm beispielsweise, in welche Richtung er laufen muss. Das kann er aber nur, weil er sich, als er noch sehen konnte, mit der modernen Technik beschäftigt hatte. Übrigens: Auch für Angehörige kann es vorteilhaft sein, per Netz in Verbindung zu bleiben. Beim Skypen sieht man sich und man kann Veränderungen bemerken. Oder eine GPS-Technik kann genutzt werden, um jemanden zu orten, der bei einem Spaziergang gesundheitliche Probleme bekommen oder aufgrund einer dementiellen Erkrankung die Orientierung verloren hat. Da gibt es inzwischen sehr gute Hilfen.

Frau Schwarz, vielen Dank für das Gespräch.

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Das Gespräch führte Redakteur Sascha Blättermann.

Bildnachweis:Privat
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