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Aus der Zukunftswerkstatt Blaubeuren

Die kleinen Dörfer in Deutschland haben ein Problem: Weil es die jungen Menschen in die Städte zieht, schließen die Schulen auf dem Land, fahren die Busse seltener und sterben die kleinen Dorfläden aus. Die Anforderungen an die Dörfer sind durch diese Entwicklung höher geworden: Sie brauchen höhere Mobilität und brauchen vor allem eine neue Struktur, die sich auch der neuen demografischen Lage anpasst: Wie steht es um den kleinen Dorfladen? Gibt es Möglichkeiten des betreuten Wohnens?

Die Kommunen sind gefragt, in ganz Deutschland. Sie können zwar die Entwicklung der kommenden Jahrzehnte auch nicht voraussehen, aber sie können sich auf die aktuellen Bedürfnisse besser einstellen. In Blaubeuren stellen sie sich den Fragen der Zukunft in einem gemeinsamen Projekt von Gemeinde und Bürgern – mit Hilfe einer ausgedehnten Bürgerbeteiligung versucht man, Antworten zu finden. Innenentwicklung nennt man das auf Kommunaldeutsch.

Jedes Dorf hat andere Ideen

Und so kommen sie nun alle, die Bürger der Dörfer Blaubeurens, zu den Versammlungen und bringen Ideen ein: In Seißen, in Asch, in Weiler, in Gerhausen, in Pappelau, in Erstetten und in Beiningen. Über 500 Bürger haben an den ersten Veranstaltungen teilgenommen, fast 650 Ideen kamen zusammen – auch online: 200 Bürger haben sich allein im Netz beteiligt. Sie haben kritisiert, sie haben diskutiert und nicht zuletzt haben sie Ideen entstehen lassen.

Dabei zeigte sich: So nah die Dörfer doch beieinander sind, jedes Dorf hat andere Ideen und andere Schwerpunkte: Drehen sich in Weiler die meisten Ideen um den Bau eines Gemeinschaftshauses, so geht es in Asch eher im das Thema Mobilität in allen Lebensphasen. In den Dörfern auf dem Hochsträß wie Pappelau und Beiningen wird die Einrichtung eines Dorfladens angeregt. Im Vorfeld setzten von der Stadt beauftragte Experten hingegen ganz andere Schwerpunkte: In einer Klausurtagung und mehreren Entwicklungskonzepten vor der Bürgerbeteiligung wurden vor allem bauliche Mängel beschrieben.

Jetzt beginnt die Kernphase des Projektes: In verschiedenen Arbeitskreisen werden nun zehn Wochen lang die einzelnen Ideen näher ausgearbeitet – durch die Bürger und mit Hilfe der Gemeinde. Dafür wurden alle Ideen in verschiedene Themenfelder eingeteilt. Sollte für das Gemeinschaftshaus in Weiler neu gebaut werden oder kann man ein bereits bestehendes Haus sanieren? Wie kann der Dorfladen auf dem Hochsträß aussehen? Wie kann man in Asch die Mobilität der Bürger sichern?

Ernsthafte Ergebnisse bis Sommer 2015

Sie reden jetzt in Blaubeurens Dörfern über aktuelle Fragen der Zeit und bestimmen damit die Zukunft, damit aus den verschiedenen Teilorten eine lebenswertere Gemeinschaft wird. Mit Hilfe des Internets erweitern sie dabei nicht nur die Zielgruppe, sondern auch die Möglichkeiten der Arbeitskreise, weil sich jeder dann einbringen kann, wann er möchte und Zeit hat. Bemerkenswert dabei ist: Die Beiträge, die im Diskussionskreis auf PolitAktiv gesammelt wurden, waren durchweg alle ernsthaft – vom oft kritisierten Chaos in Netz-Diskussionen kaum eine Spur, nicht zuletzt auch durch die Moderation von PolitAktiv, die im seltenen Bedarfsfall mit sanftem Nachdruck die gewünschte Sachlichkeit einforderte.

Die Ergebnisse, die in den Arbeitskreisen in den nächsten Wochen erzielt werden, gehen dann in die politische Diskussion: Was bis Mitte Juni von den Bürgerinnen und Bürgern ausgetüftelt wird, das können die Ortschaftsräte anschließend noch einen Monat lang kommentieren. Das Team von PolitAktiv fasst anschließend alle Ergebnisse zusammen und legt sie Stadtverwaltung und Gemeinderat vor. Auf Basis dieser zusammengefassten Empfehlungen der Bürgerschaft entscheidet dann der Gemeinderat über die tatsächliche Umsetzbarkeit: Da geht es um rechtliche Fragen, um Fragen der Finanzierung und nicht zuletzt muss die Umsetzung jeder Idee auch entsprechend formal beschlossen werden.

 

Bildnachweis: Die Fotos wurde auf der Bürgerversammlung in Asch am 17.03.2015 von Achim Lorenz aufgenommen.
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04. Juni 2018: Wie können Beteiligungsprozesse noch mehr Bürger erreichen? Ideen im Blog-Gastbeitrag von Julian Merkel.